Die Debatte über die türkische Offensive in Syrien hat in Deutschland einen absurden lokalpolitischen Dreh bekommen. Da behaupten linke Politiker doch allen Ernstes, die Bundesregierung würde der Türkei aktiv beim Kriegführen helfen. Kurdische Gruppen, aber auch deutsche Journalisten erklären Deutschland sogar zur Kriegspartei. Geht's noch verdrehter?

Richtig ist, dass die Türkei bei ihrer Offensive auch veraltete Panzer aus deutscher Produktion benutzt, die zwischen 1988 und 2011 gebraucht an den Nato-Partner Türkei geliefert wurden. Deutschland führt aber ganz sicher keinen Krieg in Syrien. Das machen andere: der syrische Diktator Baschar al-Assad, die Opposition, die Dschihadisten, Russland, Iran, die Türkei. Im Krieg gegen die IS-Terroristen kämpfen die USA mit ihrer Antiterrorkoalition. Da haben auch die Deutschen eine kleine Statistenrolle.

Beim türkischen Feldzug gegen die syrischen Kurden dagegen gibt es nur drei wichtige Akteure: die Kurden, die Türken und ihren großen Paten. Aber zu dem später.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat diese Offensive lange gewollt. Er behauptet öffentlich, die Terrorgefahr der kurdischen Milizen bannen und ihre "ethnischen Säuberungen" beenden zu wollen.

Ethnische Säuberung – eine belegfreie Behauptung

Man kennt die Märchen der Feldherren. Internationale Beobachter konnten vor dem türkischen Einmarsch keine militärischen Angriffe der kurdischen YPG auf die Türkei feststellen, schon gar keine, die einen Krieg rechtfertigen würden. Die Anschläge der PKK in der Türkei liefern keine Zugangsberechtigung für Syrien. Auch ist die "ethnische Säuberung" eine belegfreie Behauptung.

Dafür aber hat Erdoğan seine wahren Ziele fest im Blick. Wieder einmal gelingt es ihm dabei, die Türkei im Innern ordentlich aufzumischen. Draußen Krieg, drinnen nationalistisches Gebrüll. So ist die Welt für ihn in Ordnung.

Erdoğan verspricht: "Keinen Schritt zurück!" Das Volk schart sich um ihn, um Flagge und die Armee. Die kemalistische Opposition schlägt die Hacken zusammen. Widerspruch ist zwecklos. Den wenigen, die es trotzdem wagen, droht die Verhaftung. Wegen Terrorunterstützung.