Die türkische Armee hat in Nordsyrien den strategisch wichtigen Berg Barsaja besetzt. Zuvor hatte es heftige Gefechte gegeben. Der Berg liegt im Grenzgebiet zwischen dem kurdischen Afrin und dem türkisch besetzten Asas. Vergangene Woche hatten die Kurden militärische Unterstützung der syrischen Regierung gefordert.

Die Türkei hatte den Berg in Nord-Afrin bereits vergangene Woche erobert, war aber von der Kurdenmiliz YPG zurückgedrängt worden. Mithilfe schwerer Luftangriffe – durch Kampfhubschrauber, Drohnen und Haubitzen – konnte das türkische Militär das Gebiet jetzt wieder unter Kontrolle bringen. Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen dabei 12 kurdische Kämpfer ums Leben. Die Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte lassen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Die Türkei griff außerdem einen Staudamm an, der Afrin  mit Wasser und Elektrizität versorgt. Dabei sind, nach Angaben der Beobachtungsstelle, 51 Zivilisten getötet worden, darunter 17 Kinder. Insgesamt seien seit Beginn der Offensive 66 YPG-Milizionäre und 69 von der Türkei unterstützte Kämpfer getötet worden. Die türkische Regierung spricht von fünf Toten auf türkischer Seite und 16 unter den syrischen Verbündeten.  

Ziel der türkischen Armee ist es, die kurdischen YPG-Milizen aus dem türkisch-syrischen Grenzgebiet zu vertreiben. Die Türkei empfindet diese Kämpfer als Bedrohung. Denn die YPG hat enge Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft.

Erdoğan will Offensive nach Süden ausweiten

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu forderte am Samstag die USA auf, ihre Truppen aus dem östlich von Afrin gelegenen Manbidsch zurückzuziehen. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Erdoğan hatte zuvor über eine Ausweitung der "Operation Olivenzeig" über die kurdische Stadt Manbidsch bis zur irakischen Grenze gesprochen. Das entspricht einem Gebiet, das sich fast 500 Kilometer entlang der syrisch-türkischen Grenze erstreckt. In Manbidsch sind neben der YPG auch Soldaten der US-Armee stationiert. Bei einem Angriff auf diese Stadt würden türkische Truppen direkt auf Soldaten des Nato-Partners USA treffen. 

Zudem kündigte Erdoğan am Samstag an,  die "Operation Olivenzweig" auch in Richtung Süden auszuweiten. Nach der Einnahme der kurdisch kontrollierten Region Afrin werde die türkische Armee in die Provinz Idlib weitermarschieren, die von syrischen Rebellen kontrolliert wird. Insgesamt teilen sich die Türkei und Syrien eine rund 900 Kilometer lange Grenze vom Mittelmeer bis zum Tigris.

Verhandlungen über Sicherheitskorridor

Die Militäroffensive verschärft die Spannungen zwischen der Türkei und seinen Nato-Verbündeten, allen voran den USA. Erdoğan kritisierte die USA für die Unterstützung der Kurden. "Wie kann ein strategischer Partner das einem strategischen Partner antun", sagte der Präsident. Die Regierung in Washington hatte schon eingeräumt, die YPG von nun an nicht mehr mit Waffen zu beliefern.

Die Türkei verhandelt dennoch weiter mit den USA darüber, einen Sicherheitskorridor in der Region zu schaffen. Nach türkischen Angaben schlug die US-Führung eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone entlang der türkisch-syrischen Grenze vor. Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte jedoch, zunächst müsse das Vertrauen zwischen den beiden Ländern wiederhergestellt werden. Wenn die Türkei zusammen mit den USA einen Kampf gegen den Terrorismus führe, dann würden sie es entweder gemeinsam tun oder "jeder kümmert sich um sich selbst".