Großbritannien hat eine Ministerin für Einsamkeit. Die für Sport und Zivilgesellschaft zuständige Staatssekretärin Tracey Crouch werde dieses Amt übernehmen, teilte die britische Regierung mit. Sie sei stolz ein Problem anzugehen, das "eine generationenübergreifende Herausforderung" darstelle, sagte Crouch. Sie soll nun parteiübergreifende Projekte leiten.  

Nach Angaben des Roten Kreuzes sagen mehr als neun der insgesamt 66 Millionen Briten, dass sie sich immer oder häufig einsam fühlen. Die Hälfte der über 75-Jährigen in Großbritannien leben demnach allein, etwa 200.000 Senioren hätten höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten.

Die Hilfsorganisation sprach von einer "Epidemie im Verborgenen". Einsamkeit und Isolation könne Menschen aller Altersstufen in den unterschiedlichsten Lebensphasen treffen – sei es nach dem Ausscheiden aus dem Job, nach Trennungen oder bei Trauerfällen. Einsamkeit kann Studien zufolge auch die Lebenserwartung reduzieren.

Projekt von ermordeter Politikerin Jo Cox

"Einsamkeit ist die traurige Realität des modernen Lebens", sagte Premierministerin Theresa May. Sie wolle so vor allem Senioren, Pflegende und Menschen erreichen, die um einen ihnen nahestehenden Menschen trauern.

Das Vorhaben basiert auf einem Projekt der ermordeten Labour-Abgeordneten Jo Cox. Sie habe "das Ausmaß von Einsamkeit im Land erkannt" und sich intensiv für deren Bekämpfung eingesetzt, sagte May. Eine von Cox eingerichtete Kommission hatte 2017 einen Untersuchungsbericht zum Thema Einsamkeit veröffentlicht. Demnach ist Einsamkeit genauso gesundheitsschädigend wie das Rauchen von täglich 15 Zigaretten. 

Ein Rechtsradikaler hatte Cox eine Woche vor dem Brexit-Referendum 2016 in der nordenglischen Stadt Birstall während einer Bürgersprechstunde erschossen. Sie hatte sich für den Verbleib in der EU eingesetzt.