Ein paar Minuten nur brauchte Staatspräsident Miloš Zeman, um zu seinem gewohnten Tonfall zurückzufinden. Eben hat er die Stichwahl ums Präsidentenamt mit einem dünnen Vorsprung vor seinem Herausforderer Jiří Drahoš gewonnen – und schon verspottete er in seiner Rede den Widersacher. Zeman ging nicht auf den erbittert geführten Lagerwahlkampf ein, nicht auf die offenkundige Spaltung der Gesellschaft, sondern erinnerte am Rednerpult an seine eigenen politischen Erfolge seit den 1990er Jahren und bekräftigte, dass "die tschechischen Journalisten Idioten" seien.

Wegen dieser harschen, unversöhnlichen Rhetorik galt die Präsidentschaftswahl in Tschechien als Richtungsentscheidung. Zur Wahl stand neben dem 73-jährigen Amtsinhaber Zeman der um fünf Jahre jüngere Chemieprofessor Drahoš, der vor allem einen anderen Politikstil versprach. Die Wähler beider Kandidaten standen einander im Wahlkampf beinahe feindselig gegenüber – und das Ergebnis belegt, wie vor wenigen Monaten die Parlamentswahl, eine Spaltung des Landes: Zeman errang 51,4 Prozent der Stimmen, sein Vorsprung betrug gerade einmal 156.000 Stimmen.

Während in Prag und anderen Großstädten der weltgewandte Drahoš gewann, siegte Zeman vor allem in den wirtschaftlich schwachen Regionen. Es ist dieses Aufeinandertreffen von Stadt und Land, von Gewinnern und Verlierern, das zuletzt auch bei den Wahlen in vielen anderen europäischen Ländern zu beobachten war.

Ein Rechtsdrall ist das Ergebnis nicht. Zeman war bis zu seinem Parteiaustritt vor mehr als einem Jahrzehnt Sozialdemokrat; auch heute ist er in seinen politischen Einstellungen eher im linken Spektrum zu verorten. Ein entschiedenes Nein zur Aufnahme von Flüchtlingen vertreten in Tschechien fast alle Parteien unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung und auch Zemans Herausforderer sprach sich vehement gegen eine europäische Quotenregelung aus.

Immer noch fehlt eine Regierung

Auswirkungen wird Zemans Sieg deshalb zunächst vor allem innenpolitisch haben. Nach den Parlamentswahlen im September steht Tschechien immer noch ohne Regierung da; der Wahlsieger Andrej Babiš – ein Milliardär mit seiner eigenen populistischen Bewegung, gegen den wegen Betrugsverdachts ermittelt wird – findet unter den demokratischen Parteien keinen Koalitionspartner.

Zur Debatte steht die Duldung durch eine rechtsnationale Partei und die orthodoxe kommunistische Partei – beide eint ein außenpolitischer Isolationismus und eine Abneigung gegen die EU. Drahoš war auf Distanz zu einer solchen Regierung gegangen, die von Extremisten abhängig wäre. Zeman dagegen zeigte sich dieser Konstellation gegenüber offen. Mit seiner Wiederwahl dürfte der Weg für Babiš frei sein.

Im Fernsehduell kurz vor der Wahl hatte sich Jiří Drahoš noch kämpferisch gegeben. "Ich bin der Kandidat, der in die Zukunft blickt. Miloš Zeman hat diesem Land nichts mehr anzubieten – aber seine Berater können diesem Land noch viel nehmen", sagte er und spielte damit auf die Affären an, in die Zemans engste Mitarbeiter involviert waren: vom sagenhaft günstigen Kauf einer Villa in Prag über rauschende private Feste in den ansonsten streng abgeschirmten Prachtsälen der Prager Burg bis hin zu engen wirtschaftlichen Verbindungen nach Russland.