Die türkische Luftwaffe greift nun auch kurdische Stellungen im Nordirak an. Nach Angaben der türkischen Armee galt die Offensive in der nordirakischen Region Kämpfern der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), weil sie Attacken auf türkische Sicherheitskräfte an der Grenze vorbereitet hätten. Türkischen Angaben zufolge wurden mehrere Waffenlager zerstört.

Seit einigen Tagen geht die türkische Armee außerdem gegen kurdische Milizen in der syrischen Region Afrin vor. Dort setzte sie am Dienstag ihre Angriffe auf Stellungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Afrin fort. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete heftige Kämpfe im Norden und Südwesten der Region; zudem hätten protürkische Rebellen eine neue Offensive im Nordosten Afrins gestartet, wo sie am Vortag gemeinsam mit türkischen Truppen den strategisch wichtigen Hügel Barsaja erobert hatten.

Türkei droht mit Angriff auf Manbidsch

"Wir fürchten uns vor niemandem, wir sind entschlossen und wir werden nicht mit Ängsten und Bedrohungen leben", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu laut einem Bericht des TV-Nachrichtensenders Habertürk. Er drohte demnach mit einer weiteren Ausweitung der Kämpfe, namentlich mit der Vertreibung syrischer Kurden aus der überwiegend von Arabern bewohnten syrischen Stadt Manbidsch. "Die Terroristen in Manbidsch feuern als Provokation ständig Schüsse ab", sagte Çavuşoğlu nach Angaben des TV-Senders und fügte demnach hinzu: "Wenn die Vereinigten Staaten sie nicht stoppen, dann werden wir sie stoppen."

US-Verteidigungsminister Jim Mattis rief die Türkei zur "Zurückhaltung" auf. Die Gewalt in Afrin störe eine bislang "relativ stabile Gegend in Syrien", sagte er in der indonesischen Hauptstadt Jakarta, wo er während seiner Asienreise Station machte. Die USA würden deshalb die Türken zur "Zurückhaltung beim Militäreinsatz und der Rhetorik" drängen, so Mattis. Die Gewalt in Afrin würde von den internationalen Bemühungen im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) ablenken, fügte er hinzu.

Proteste werden gewaltsam unterdrückt

Die am Samstag gestartete Militäroffensive im syrischen Afrin richtet sich gegen die YPG-Miliz, eine wichtige Verbündete der US-Armee. Die Regierung in Ankara betrachtet sie aber als syrischen Zweig der PKK und daher als Terrororganisation. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf ein Netz aus Aktivisten in Syrien stützt, gab die Zahl der Opfer seit Beginn der Kämpfe mit 58 an, darunter 26 kurdische Kämpfer, 25 protürkische Rebellen und sieben nicht identifizierte Tote.

Laut den für Medien kaum überprüfbaren Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation wurden auch 22 Zivilisten bei der türkischen Offensive getötet. Die Türkei weist Berichte über zivile Opfer als "Propaganda" zurück und versichert, ausschließlich "Terroristen" ins Visier zu nehmen. Proteste gegen die Militäroffensive in der Türkei werden gewaltsam unterdrückt, Kritik in den sozialen Medien wird von den Behörden verfolgt.

Auch am Dienstag wurden in der Türkei erneut Dutzende Verdächtige wegen angeblicher "Terrorpropaganda" festgenommen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu mitteilte, gab es insgesamt 42 Festnahmen in Städten wie Izmir, Van, Mersin und Muş. Bereits am Montag waren 24 Menschen unter ähnlichen Vorwürfen festgenommen worden. Human Rights Watch warf den Behörden vor, kritische Stimmen zum Schweigen bringen zu wollen.

Türkei - Türkisches Militär setzt Offensive fort Die türkischen Angriffe auf kurdische Truppen in Syrien und dem Irak brechen nicht ab. Eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu dem Thema endete ergebnislos. © Foto: picture alliance / AP Photo