Bei Unruhen in Äthiopien sind am Wochenende mindestens sieben Menschen gestorben. Offenbar begannen die Auseinandersetzungen, als junge Männer am Rande des christlichen Timkat-Festes am Samstag in der Region Amhara die Polizei angriffen. Augenzeugen berichteten, die Sicherheitskräfte hätten auf steinewerfende Demonstranten geschossen. 

Bis Sonntagmittag seien Schüsse zu hören gewesen, berichteten Augenzeugen. Hotels, Restaurants und Geschäfte seien von aufgebrachten Demonstranten in Brand gesteckt worden.

In Amhara sowie der Region Oromia ist es seit November 2015 immer wieder zu gewaltsamen Protesten gegen die Regierung gekommen. Insgesamt starben mehrere Hundert Menschen bei den Unruhen.

In dem Land mit etwa 100 Millionen Einwohnern ist die Opposition seit 2015 nicht mehr im Parlament vertreten. Kritiker werfen der Regierung vor, die Opposition mundtot zu machen und Gegner einzusperren. Zuletzt hatte Ministerpräsident Hailemariam Desalegn aber die Freilassung inhaftierter Politiker versprochen und eingehalten. Unter ihnen war Merera Gudina, ein prominenter Oppositioneller.

Menschenrechtsgruppen und die Opposition hatten schon lange dazu aufgerufen, politische Gefangene freizulassen. Sie werfen der Regierung vor, Vorwürfe gefälscht und Gefangene eigentlich wegen ihrer politischen Ansichten inhaftiert zu haben. Auch würden Persönlichkeitsrechte, wie das Recht auf freie Meinungsäußerung, beschnitten.