"Vor fünf Jahren bin ich zurück in die USA gezogen, aber im Herzen bin ich noch immer Israelin. Ich mag Trump nicht, einfach, weil er redet, wie er redet, und wegen der Art, wie er sich gibt. Ich war zwar bisher von seinen Entscheidungen im Gesundheitssystem oder bei den Steuern nicht wirklich persönlich betroffen, da bin ich wohl sehr privilegiert. Aber ich komme immer noch nicht damit klar, dass wir einen Präsidenten haben, der so offen rassistisch und sexistisch ist. Ich verstehe nicht, wie so jemand ins Oval Office kommen konnte. Vielleicht ändert sich da gerade etwas, und Leute, die ihn anfangs unterstützt haben, wenden sich von ihm ab. Das ist zumindest mein Gefühl.

Ich weiß, dass viele Israelis Trump sehr mögen und unterstützen, weil er seine Freundschaft zu Israel so betont und uns viel verspricht. Aber Trump begreift die Tragweite des israelisch-palästinensischen Konflikts nicht. Er versteht nicht, was das für die Leute, die dort leben, bedeutet. Als er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte, hat er damit vor allem für neue Spannungen gesorgt. Sonst hat sich für die Menschen vor Ort nichts geändert. Die Israelis haben Jerusalem auch davor schon als ihre Hauptstadt gesehen. Viele waren wie ich sogar überrascht, dass die USA das vorher anders sahen. Ich habe erstmal gelacht, als die Ankündigung kam, dabei sind die Folgen gar nicht zum Lachen. Ich bin dafür, dass wir eine Einigung mit den Palästinensern finden, und Trump hat das unwahrscheinlicher gemacht. Ich traue ihm einfach nicht, ich glaube nicht, dass er auf der richtigen Seite steht und wirklich gute Motive hat. Die USA haben Israel immer unterstützt, aber bei Trump bin ich da einfach nicht mehr sicher.

Ich habe das Gefühl, dass wir seit einem Jahr nur Rückschritte machen, auch in anderen Bereichen. Obamacare zum Beispiel war nicht perfekt, aber Obama hat wenigstens versucht, einen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Trump ist dabei, das alles ungeschehen zu machen, anstatt darauf aufzubauen. Nicht, weil es ein guter oder ein schlechter Plan war, bei Trump geht es nur ums Ego. Er will auf Biegen und Brechen alles tun, was Obama nicht tun würde. Es geht ihm nicht wirklich um die Dinge selbst. Ich mache mir Sorgen, auch wenn es mir selbst heute nicht schlechter geht als vor einem Jahr. Ich wusste, dass es ziemlich verrückt werden würde, aber wie wild es tatsächlich sein würde, habe ich mir nicht ausmalen können. Jedes Mal, wenn ich die Nachrichten schaue, denke ich immer noch, passiert das gerade wirklich? Ich muss zugeben, dass es mich manchmal amüsiert, was da passiert, auch wenn es mir gleichzeitig Angst macht.

Vor allem habe ich Angst um andere Bevölkerungsgruppen, Einwanderer zum Beispiel. Viele sind schließlich sehr direkt betroffen von dem, was er tut. Ich hoffe, dass er im kommenden Jahr nicht zu viel Schaden anrichtet. Ich hoffe immer noch, dass die Steuerreform irgendwie zurückgedreht wird. Wenn wir Glück haben, dann kommen wir relativ unbeschadet davon. Und um ehrlich zu sein, fände ich es am besten, wenn er im kommenden Jahr abtreten muss."

*Name von der Redaktion geändert