Die wichtigste Oppositionskoalition Venezuelas wurde vom Obersten Gerichtshof von der Präsidentschaftswahl ausgeschlossen. Damit ist eine Wiederwahl des sozialistischen Staatschefs Nicolás Maduro so gut wie sicher.
Das oberste Gericht
ordnete an, dass der
oppositionelle Tisch der demokratischen Einheit (MUD) sich nicht bei der Wahlkommission als politische Gruppierung anmelden darf. Zudem dürfen sich Parteien erst wieder in sechs Monaten – also nach der Wahl – neu einschreiben.
Für die Präsidentschaftswahl hätte sich der Tisch der demokratischen Einheit neu anmelden müssen, da er die Kommunalwahlen am 10. Dezember boykottiert hatte. Hiermit hatte die Opposition gegen einen mutmaßlichen Betrug bei den Regionalwahlen im Oktober protestiert.
Erst vor wenigen Tagen hatte Venezuelas konstituierende Versammlung beschlossen, die Präsidentschaftswahl vorzuziehen und noch im Frühjahr stattfinden zu lassen. Eigentlich hätte erst Ende des Jahres gewählt werden sollen, da die neue, sechsjährige Amtszeit des Präsidenten erst im Januar 2019 beginnen muss. Die Verschiebung der Wahl wurde vom US-Außenministerium kritisiert, da eine überstürzte Wahl weder frei noch fair verlaufen könne.
Regierung weist spanischen Botschafter aus
Am Montag hatte die EU Einreiseverbote und Vermögenssperren gegen
sieben venezolanische Minister und ranghohe Beamte verhängt, darunter
auch gegen den Parteivize Cabello. Auch die USA
hatten bereits Sanktionen verhängt. Unter anderem dürfen US-Bürger keine Geschäftsbeziehungen zu Maduro haben. In Reaktionen auf die Sanktionen hat die Regierung nun den spanischen Botschafter ausgewiesen. Bereits im vergangenen Monat mussten Diplomaten aus Kanada und Brasilien gehen.
Seit Monaten
herrscht in Venezuela ein Machtkampf zwischen der Regierung und ihren Gegnern. So wirft die Opposition Maduro vor, das Land in eine
Diktatur zu verwandeln. Im Dezember hatte Maduro drei der größten
Oppositionsparteien von der Wahl ausgeschlossen. Viele führenden Politiker der Opposition sitzen derzeit in Haft, stehen unter Arrest oder sind ins Exil geflohen. Henrique Capriles, der bei der Wahl 2013 nur knapp gegen Maduro verloren hatte, hat im vergangenen Jahr ein 15-jähriges Ämterverbot erhalten.
Venezolaner, die die Regierung unterstützen, erhalten subventionierte Lebensmittel
Bei gewaltsamen Zusammenstößen von Demonstranten und Einsatzkräften
wurden im vergangenen Jahr 125 Menschen getötet. In der im Sommer des letzten
Jahres gewählten verfassungsgebenden Versammlung, die das bisherige, von der Opposition dominierte Parlament ersetzt,
haben die Sozialisten von Präsident Maduro die Mehrheit.
Das wirtschaftlich angeschlagene Land ist bereits seit Längerem von Inflation und Hungersnöten betroffen. So kommt es immer wieder zu Plünderungen. Maduro hat die Hungerkrise indes als "Erfindung" bezeichnet. Venezolaner, die sich bereit erklären, die Regierung zu unterstützen, erhalten nun stark subventionierte Lebensmittelpakete. Der venezolanische Schriftsteller Leonardo Padrón kritisierte dies als Erpressung und sprach von "Erlösung vom Hunger gegen Stimmen".
Kommentare
Sozialismus as usual.
Anarchokapitalismus as usual langfristig die einzig wahre Lösung (langfristig im Sinne von: ewig Geduld haben, über Generationen hinweg).
Ja verständlich - zum Sozialismus gibt es bekanntlich keine demokratisch legitimierte Alternative.
Diktatur hat mit Sozialismus überhaupt nichts zu tun! Diktatur ist Diktatur, egal worauf sich der Diktator beruft, und gehört bekämpft!
Die Zeit und andere Qualitätsmedien sollten den Begriff Wahl in Zusammenhang mit dieser pseudo-demokratischen Farce in Venezuela in Anführungszeichen setzen.
Qualitätsmedien?
"Die Verschiebung der Wahl wurde vom US-Außenministerium kritisiert, da eine überstürzte Wahl weder frei noch fair verlaufen könne"....
England: 18.04.17 – Theresa May verkündet vorgezogene Neuwahlen am Donnerstag, 08.06.17 =
Niedersachsen: 10.08.2017 Landesparlament stimmt für vorgezogene Neuwahlen am 15.10
Meldung im Spiegel vom 09.01.2017
Krise in Venezuela: Opposition fordert vorgezogene Neuwahlen
Im Zuge der politischen und wirtschaftlichen Krise in Venezuela gerät Präsident Nicolás Maduro zunehmend unter Druck: Nun werfen seine Gegner ihm Pflichtverletzungen vor - und drängen auf Neuwahlen.
WIWO 18. September 2017
Maduro lehnt vorgezogene Neuwahlen ab
Die Opposition hatte bereits mehrere Versuche unternommen, Venezuelas Präsident Nicolás Maduro des Amtes zu entheben. Dieser lehnt die Forderungen nach vorgezogenen Präsidentschaftswahlen nun ab.
Ja was denn nu?
Es wäre ziemlich witzig mit anzusehen, wenn es nicht so traurig wäre...
Warum nennt man es dann Wahl? Wäre die Bezeichnung "Zettel falten" nicht angemessener?