Das türkische Militär hat nach Angaben des syrischen Staatsfernsehens in Afrin auf syrische Kräfte geschossen. Die Türken hätten ein Gebiet beschossen, von dem aus die regierungsnahen Kämpfer in die kurdische Enklave vorgerückt seien, hieß es in dem Bericht. Im regierungsnahen TV-Sender Al Mayadeen war eine Explosion zu sehen. Es habe sich um einen türkischen Angriff gehandelt, meldete der Sender. Die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete später über "Warnschüsse", die "regierungstreuen Terrorgruppen" hätten sich daraufhin rund zehn Kilometer vor Afrin-Stadt zurückgezogen.

Die Türkei hatte die syrische Regierung Baschar al-Assads vor einer solchen Eskalation gewarnt: Sollten sie in die kurdische Enklave im Norden Syriens vorrücken, werde man dagegen vorgehen, drohte der türkische Außenminister noch am Montag. Einen Tag später zeigte das syrische Staatsfernsehen rund 20 mit schweren Maschinengewehren beladene Fahrzeuge, die vom nahe gelegenen Dorf Nubul aus in Afrin ankamen. Bewaffnete auf den Fahrzeugen schwenkten syrischen Flaggen und priesen die Regierung Assads. 

Die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, ein Konvoi mit Hunderten regierungstreuen Kämpfern habe am Nachmittag die von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierte Region erreicht. Die YPG bestätigte das Eintreffen syrischer Regierungskräfte in Afrin. Damit solle geholfen werden, die YPG vor der "unrechtmäßigen Invasion" der türkischen Truppen zu verteidigen, sagte ein Sprecher der Miliz.  

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Die YPG hatte um Hilfe syrischer Truppen gebeten. Am Montag hatten sich beide Seiten auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte noch am selben Tag versucht, diese zu unterbinden: Er telefonierte mit Russlands Präsident Wladimir Putin, dem engsten Partner Assads. Nach dem Gespräch teilte Erdoğan mit, die Allianz zwischen der YPG und der syrischen Armee bestehe nicht mehr. Eine Stationierung syrischer Truppen in Afrin sei abgewendet worden. Kurz darauf meldeten syrische Medien, erste Kämpfer seien nach Afrin unterwegs.

Die türkische Regierung hatte vor knapp einem Monat eine Offensive auf die kurdische Enklave Afrin gestartet. Ihr Ziel ist es, die Kurdenmiliz YPG aus der Region zu vertreiben. Die Türkei bezeichnet die YPG als Terrororganisation. Sie sieht in der Miliz den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die USA dagegen hatten die YPG als Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" unterstützt. Daher ist das Verhältnis der beiden Nato-Partner USA und Türkei angespannt.