Der US-Pastor Billy Graham, Vertrauter vieler US-Präsidenten und einer der bekanntesten christlichen Prediger der Geschichte, ist tot. Nach Angaben seines Sprechers Mark DeMoss starb Graham am Mittwoch in seinem Haus in Montreat im US-Staat North Carolina. Präsident Donald Trump twitterte: "Keiner war wie er! Er wird von Christen und allen Religionen vermisst werden. Ein ganz besonderer Mann."

Vizepräsident Mike Pence sagte, Graham habe mit seiner unvergleichlichen Stimme das Leben von Millionen verändert. Expräsident Jimmy Carter würdigte ihn als Prediger, der "unermüdlich die Botschaft von Kameradschaft und Hoffnung verbreitet habe. "Er formte das spirituelle Leben von zig Millionen Menschen weltweit", schrieb Carter. Graham sollte nach Angaben seines Sprechers in der kommenden Woche für zwei Tage aufgebahrt und am 2. März beigesetzt werden. Zu der Beerdigung sei auch Präsident Trump eingeladen, so DeMoss. 

"Maschinengewehr Gottes"

Als evangelikaler Erweckungsprediger hatte Graham als einer der Ersten das Potenzial von Fernsehen und Radio erkannt und mit seinen Auftritten in aller Welt direkt mehr als 200 Millionen Menschen erreicht. Er nannte diese Reisen "Kreuzzüge", sprach unter anderem zu US-Soldaten im Vietnamkrieg.

Sein furioser Redestil brachte ihm den Spitznamen "Maschinengewehr Gottes" ein, andere sagten, das Evangelium werde in seinen Händen zu einem "Degen". Die evangelikale Bewegung wurde unter seiner Führung in den USA eine starke Kraft neben dem liberalen Protestantismus und der katholischen Kirche.

Graham beriet mehrere US-Präsidenten – von Dwight Eisenhower bis George W. Bush, weswegen er auch "Amerikas Pastor" genannt wurde. Im Weißen Haus ging er seit Präsident Lyndon Johnson ein und aus, war bei Präsident George H. W. Bush dort am Vorabend des Golfkrieges. Anfangs ein kategorischer Antikommunist, bereiste er später das noch kommunistische Osteuropa.

1983 erhielt Graham von Präsident Ronald Reagan die Freiheitsmedaille, die höchste Auszeichnung der USA. Bei der Zeremonie zur Eröffnung eines Museums in seinem Namen im Jahr 2007 waren die Ex-Präsidenten George H. W. Bush, Jimmy Carter und Bill Clinton anwesend.

Geboren wurde Graham am 7. November 1918 auf einer Farm bei Charlotte in North Carolina. Er wuchs in einer fundamentalistischen Gemeinde auf, die bei kleinsten Differenzen bei der Bibelauslegung den Kontakt mit anderen Christen abbrach. Später schloss er sich der Bewegung der Neuen Evangelikalen an. "Die Bibel sagt …" war die Standardeinleitung seiner Predigten.

In den 1950er-Jahren verkündete er: "Die ökumenische Bewegung hat meinen Standpunkt erweitert und ich erkenne nun, dass Gott in allen Kirchen ist." Sein Aufstieg begann 1949 mit einer Missionsveranstaltung in einem Zelt in Los Angeles, genannt die Canvas Cathedral. Der Verleger William Randolph Hearst hatte seine Blätter angewiesen, den jungen Prediger zu "hypen" – Graham sagte, er habe nie in Erfahrung bringen können, warum. 

Angebote aus Hollywood lehnte er ab

Graham galt als absolut integer. Von seiner Billy Graham Evangelistic Association ließ er sich ein moderates Gehalt auszahlen – Millionenofferten ignorierte er. "Ich hätte eine halbe Million Dollar im Jahr in Hollywood verdienen können, wenn ich gewollt hätte", sagte er einmal. "Die Angebote, die ich von Hollywoodstudios bekam, waren umwerfend. Aber ich habe nur gelacht. Ich sagte ihnen, ich bleibe bei Gott."

Einen Schatten auf seine Karriere warf der Watergate-Skandal, der zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon führte. Graham war eng mit Nixon befreundet. In einer 2002 veröffentlichten Tonaufzeichnung ist zu hören, wie er zu Nixon sagt, Juden "wüssten nicht, wie ich wirklich fühle wegen dem, was sie diesem Land antun". Graham entschuldigte sich dafür und sagte, er könne sich nicht erinnern, so gefühlt zu haben. Er bat die jüdische Gemeinde, ihn an seinen Taten, nicht an diesen Worten zu messen.