Die Festnahme des schwedischen Verlegers Gui Minhai in China könnte nach Angaben des deutschen Botschafters in China, Michael Clauss, einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Es herrsche die allgemeine Sorge, dass derartige Verletzungen internationalen Rechts künftig auch andere EU-Bürgerinnen und -Bürger treffen könnten. Alle europäischen Staaten stünden hinter Schweden und dessen Bemühungen um eine Freilassung des Verlegers, sagte Clauss der Süddeutschen Zeitung und der schwedischen Zeitung Expressen.

Der regierungskritische Hongkonger Verleger Gui war nach Angaben seiner Tochter Ende Januar in einem Zug nach Peking festgenommen worden. China bestätigte am Dienstag erstmals offiziell die Festnahme des Mannes. "Wegen einer Verletzung der chinesischen Gesetze haben die zuständigen chinesischen Behörden juristische Zwangsmaßnahmen gegen Gui Minhai ergriffen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Was genau Gui von den chinesischen Behörden vorgeworfen wird, ließ er offen.

Schweden, die EU und die USA hatten in den vergangenen Tagen die Freilassung Guis gefordert. China wies die Forderungen wiederholt zurück und verbat sich jegliche Einmischung in den Fall.

Während eines Urlaubs in Thailand 2015 war Gui schon einmal verschwunden. Mutmaßlich war er damals vom chinesischen Geheimdienst verschleppt worden. Insgesamt waren damals fünf Verlagsmitarbeiter verschwunden. Gui hatte politisch heikle Bücher mit Klatsch-Inhalten über die oberste Führungsetage in Hongkong verkauft.