Demonstranten in Athen: Wenn es nach ihnen geht, soll der Name "Mazedonien" nur für die gleichnamige griechische Provinz benutzt werden. © Costas Baltas/Reuters

Hunderttausende Griechen haben gegen den Namen ihres Nachbarlandes, der Republik Mazedonien, demonstriert. Im Norden Griechenlands gibt es eine Region, die ebenfalls Mazedonien heißt. Das historische Makedonien war für die Griechen aber immer ein Teil ihres Landes, viele Griechen sind daher gegen diese Bezeichnung für einen eigenständigen Staat. Die Demonstranten riefen "Mazedonien ist griechisch und nur griechisch" und trugen Plakate mit der Aufschrift "Hände weg von Mazedonien!". "Ich stehe hier für Mazedonien. Mazedonien gehört uns, es ist Teil Griechenlands. Wir lassen nicht zu, dass sie es uns wegnehmen", rief ein 72-Jähriger, der eine griechische Fahne schwenkte.

Polizisten schätzten die Zahl der Demonstranten zunächst auf mehrere Hunderttausend, später auf etwa 140.000. Die Veranstalter sprachen von nahezu einer Million, laut griechischen Journalisten kamen etwa 300.000 Demonstranten. Damit war es eine der größten Kundgebungen der letzten Jahre in Athen.

Wegen dieses Streits behindert Griechenland die Bemühungen Mazedoniens, der EU und der Nato beizutreten. Die linksgerichteten Regierungen beider Länder wollen in diesem Jahr das Problem lösen und hatten zuletzt über einen möglichen Kompromiss verhandelt. Griechenland hatte vorgeschlagen, die Republik Mazedonien könnte einen zusammengesetzten Namen nutzen, beispielsweise einen Zusatz wie "Neu" oder "Nord" hinzuzufügen. 

Eine Mehrheit der Griechen lehnt Meinungsumfragen zufolge jedoch jegliche Verwendung des Begriffs Mazedonien durch den Nachbarstaat ab. Auch in Mazedonien lösten die Vorschläge Griechenlands Proteste aus.

Mazedonien sei integraler Bestandteil von Griechenland, sagen die Griechen

Der Namensstreit besteht seit 1991, als Mazedonien seine Unabhängigkeit von Jugoslawien erlangte. Nach Auffassung der Griechen ist das alte Königreich Mazedonien mit dem Herrscher Alexander dem Großen ein integraler Bestandteil des Landes und des kulturellen Erbes. Wenn sich die Republik Mazedonien also so nenne, erhebe sie damit implizit auch Ansprüche auf das griechische Makedonien. Für die Griechen ist das ein aggressiver Akt. Darum hat Griechenland immer auch international gegen diesen Namen protestiert. 

Mazedonische Vertreter halten dagegen, ihr Land sei seit langer Zeit als Mazedonien bekannt.  Die Vereinten Nationen mussten nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 einen Kompromiss finden. Das Land wird von internationalen Institutionen wie den UN als die "Frühere jugoslawische Republik Mazedonien" anerkannt, als "Former Yugoslav Republic of Makedonia" – kurz: FYROM. Rund 130 Länder bezeichnen es aber einfach als Mazedonien. Viele Griechen nennen das Land mit dem Namen der Hauptstadt Skopje.