Oxfam-Mitarbeiter sollen Frauen in Krisengebieten sexuell gedemütigt haben – offenbar ist das kein Einzelfall. Auch Ärzte ohne Grenzen und das International Rescue Committee (IRC) berichteten von sexuellen Übergriffen durch eigene Mitarbeiter.

Im vergangenen Jahr habe es 24 gemeldete Fälle von Missbrauch oder sexueller Belästigung gegeben, teilte Ärzte ohne Grenzen mit. 19 Mitarbeiter seien in diesem Zusammenhang entlassen worden. Die tatsächliche Zahl der Übergriffe könne noch höher liegen, da nicht alle Fälle zentral gemeldet würden. 

Details zu den einzelnen Vorwürfen wurden nicht bekannt. Ärzte ohne Grenzen betonte, man nehme die Vorbeugung von Missbrauch sehr ernst. So gebe es zum Beispiel ein Meldesystem, damit Opfer schnell Hilfe suchen könnten. Die Organisation leistet medizinische Unterstützung in Krisengebieten und beschäftigt mehr als 40.000 Menschen.  

Auch bei der US-Flüchtlingsorganisation IRC wurden Fälle von sexuellem Fehlverhalten bekannt, wie eine Sprecherin in New York bestätigte. Die Fälle hätten sich im Kongo ereignet. Es sei ermittelt worden, Geldgeber seien über die Vorwürfe informiert worden. Details nannte die Sprecherin nicht.

"Das hätte nie passieren dürfen"

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Oxfam-Mitarbeiter Partys mit Prostituierten gefeiert und Sex im Gegenzug für Nothilfe verlangt haben sollten. Der Missbrauch soll 2010 in Haiti und 2006 im Tschad stattgefunden haben. Als Reaktion auf die Berichte war die britische Vizechefin von Oxfam, Penny Lawrence, zurückgetreten. Kurz darauf gab Oxfam zu, einen Mitarbeiter, dem man wegen sexuellem Fehlverhalten in Haiti gekündigt hatte, später als Berater in Äthiopien eingestellt zu haben. "Das hätte nie passieren dürfen", teilte Oxfam mit. Es werde geprüft, wie es dazu kommen konnte.

Mehrere Oxfam-Botschafter haben inzwischen ihre Ämter niedergelegt. Darunter sind der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, die britische Schauspielerin Minnie Driver und der Sänger Baaba Maal aus dem Senegal.

Missbrauchsvorwürfe in Hilfsorganisationen gibt es immer wieder: 2002 kam beispielsweise ans Licht, dass Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und UN-Blauhelmsoldaten Flüchtlingskinder in Liberia, Guinea und Sierra Leone sexuell missbraucht hatten. Die Mehrzahl der beschuldigten Helfer waren einheimische Mitarbeiter – doch es gab auch Vorwürfe gegen UN-Soldaten im Friedenseinsatz. Auch im Kongo und der Zentralafrikanischen Republik wurden UN-Soldaten des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.