Nur wenige Tage nach einem Angriff auf afrikanische Migranten im italienischen Macerata warnt Forza-Italia-Chef Silvio Berlusconi vor Einwanderung. In einem Interview mit dem Sender TG5 nannte Berlusconi Migranten "eine soziale Bombe, die bereit ist, zu explodieren". In der Regierungszeit "der Linken" seien mehr als 600.000 Migranten illegal nach Italien gekommen, die bereit seien, Straftaten zu begehen.

Kritik kam dafür unter anderem von Matteo Renzi (Partito Democratico), der 2014 bis 2016 Ministerpräsident war. In einem Videointerview mit der Zeitung La Repubblica verwies er drauf, dass Berlusconi seinerzeit selbst ein Abkommen zur Aufnahme von Flüchtlingen unterzeichnet habe. Weiter mahnte Renzi im Hinblick auf den jüngsten Anschlag zu einem ruhigeren Umgangston. Wer die Ernsthaftigkeit des Moments verstehe, solle seinen gesunden Menschenverstand anwenden und Verantwortung übernehmen. "Wenn ein Ex-Kandidat der Lega zur Pistole greift und auf Menschen anderer Hautfarbe schießt, sollten alle erst mal ihren Ton herunterfahren."

Im Umfragen liegt Berlusconi vorne

Am Samstag hatte ein Mann in der Stadt Macerata aus einem Auto heraus auf Migranten geschossen und dabei sechs Afrikaner verletzt. Der mutmaßliche Täter war im vergangenen Jahr bei Kommunalwahlen für die Lega angetreten. Lega-Chef Matteo Salvini twitterte am Montag, es sei die "unkontrollierte Einwanderung", die zu "Chaos, Wut und sozialen Zusammenstößen" führe. Der italienische Innenminister Marco Minniti sprach von einem rassistischen Hintergrund.

Berlusconi nannte die Tat am Montag "unfassbar", lehnte aber politische Zusammenhänge ab. "Nur ein Gestörter kann so eine Sache machen. Ich sehe darin nichts Politisches, weil die Politik nicht zu solch einem Wahnsinn führt."

Berlusconi war von 1994 bis 2011 mit Unterbrechungen Ministerpräsident Italiens. Ihm folgten zunächst Mario Monti von der Partito Socialista, später Enrico Letta, Matteo Renzi und Paolo Gentiloni von der Partito Democratico. In Wahlkampf zur bevorstehenden Parlamentswahl am 4. März ist Berlusconi eine Allianz mit der rechtspopulistischen Lega unter Matteo Salvini eingegangen. In Umfragen liegt die Berlusconi-Salvini-Allianz vorne.