Mit diesen Positionen kann auch Silvio Berlusconi leben. Der hatte zwar vor gar nicht langer Zeit mit einem Ausstieg aus dem Euro kokettiert und sich spätestens mit seiner Schimpfkanonade gegen den damaligen Europaparlamentspräsidenten Martin Schulz im Juli 2003 den Ruf des Antieuropäers erworben. "Kapo" hatte Berlusconi Schulz damals genannt und die EU-Parlamentarier als "Touristen der Demokratie" geschmäht. Heute drückt er sich sanfter aus. "Unverzichtbar" sei Europa für Italien. Wie Renzi will Berlusconi die Drei-Prozent-Schuldengrenze akzeptieren – mehr aber auch nicht. Von seiner europäischen Parteienfamilie EVP, der auch die CDU angehört, bekam Berlusconi dafür Applaus. Sie sieht ihn mittlerweile als "Bollwerk gegen den Populismus", auch wenn er ebenjenen in der eigenen Wahlallianz akzeptiert.

Dort ist etwa der Le-Pen-Freund Matteo Salvini mit seiner Lega Nord präsent. Salvini fordert, Italien müsse "einen einvernehmlichen Weg raus aus dem Euro" finden. Die Gemeinschaftswährung sei "die Hauptursache unseres ökonomischen Niedergangs", da sie "maßgeschneidert für Deutschland und die multinationalen Konzerne und gegen die Erfordernisse Italiens" angelegt sei.

Mit der Kritik ist Salvini aber mittlerweile relativ isoliert. Die postfaschistische Partei Fratelli d'Italia unter Giorgia Meloni hat ihre Forderung nach dem Euroausstieg still und leise gestrichen. Stattdessen heißt es im Wahlprogramm, "wir wollen den Euro verteidigen" – allerdings mit der Einschränkung, er müsse "das Instrument der Völker Europas und nicht der Banken" werden. Mehr Vergemeinschaftung der Risiken in der Eurozone und eine expansive Politik sind auch bei den Rechten angesagt. Die Fratelli d'Italia will zum Beispiel, dass die EZB zum "lender of last resort" mutiert, sprich die Staatsschulden der Euroländer per Ankauf mitfinanziert.

"Europa ist das Haus der Italiener"

Darüber ließen auch die Fünf Sterne mit sich reden. Ihr Spitzenkandidat, der erst 31-jährige Luigi Di Maio, tingelt seit Monaten durch die Hauptstädte Europas, redet mit Regierungsvertretern und Investmentfondsmanagern. Sein Ziel: Ängste zerstreuen. "Europa ist keine Frage der Außenpolitik, Europa ist das Haus der Italiener", verkündete Di Maio vor wenigen Tagen vor führenden Vertreterinnen und Vertretern des Außenministeriums und der Botschaften. Raus aus dem Euro? Das war gestern.

Heute gilt anderes, und der Ton unterscheidet sich nur in Nuancen vom dem des PD-Parteichefs Matteo Renzi: Italien soll laut M5S-Wahlprogramm "die Spar- und Austeritätspolitiken überwinden". Vor Journalisten erklärt Di Maio seine Gegnerschaft gegen den Fiskalpakt, fordert er eine Neuverhandlung der europäischen Verträge, macht sich für eine "Allianz der Länder Südeuropas" stark. Doch die Botschaft im Wahlkampf ist erst einmal, dass der Euroausstieg vorerst ersatzlos gestrichen ist. "Europa beruhigen" sei das Ziel, streuen Mitarbeiter Di Maios.

Recht besehen ist es also eine breite Front von Renzi über Berlusconi bis hin zu Di Maio, die dieses Ziel verfolgt. So mag nach dem 4. März in Rom vieles drohen: ein politisches Patt oder auch baldige Neuwahlen. Eines droht aber gewiss nicht: dass sich im neuen Parlament ein starker Block gegen den Euro und die Europäische Union formiert.