Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Vorwürfe gegen das türkische Militär und in geringerem Umfang auch gegen die kurdische Volksschutzeinheit YPG erhoben: Bei ihren Kämpfen in den nordsyrischen Orten Afrin und Asas würden sie den Tod von Zivilisten in Kauf nehmen. Die Organisation beruft sich auf Berichte von Augenzeugen, die sie anhand von Videoanalysen zum Großteil verifiziert habe.

Nach Angaben von Amnesty beschießen die türkischen Truppen den von den Kurdenmilizen gehaltenen Ort Afrin wahllos mit Artillerie. Die YPG-Einheiten wiederum attackieren demnach den von türkischen Truppen besetzten Nachbarort Asas mit Granaten und Raketen. Dieser Einsatz von "nicht zielgenauen Waffen" sei nach internationalem Recht verboten, schreibt die Organisation: "Alle Seiten sollten solche Angriffe sofort einstellen."

Damit wendet sich Amnesty zunächst an die Türkei, die Mitte Januar in den Norden Syriens einmarschiert war und dort die kurdischen Kämpfer der Miliz YPG bekämpft. Die Regierung in Ankara hält sie für den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die USA hingegen unterstützen die YPG im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Auch der Kurdische Rote Halbmond berichtet von getöteten Zivilisten in dem Kurdengebiet. Lynn Maalouf, Forschungsleiterin für den Mittleren Osten bei Amnesty International, sprach von "zahlreichen Toten". Hunderte Leben mehr seien bedroht.