Der mutmaßliche religiöse Drahtzieher hinter den Gewalttaten gegen die  Rohingya in Myanmar hat seine Rolle in dem Konflikt gerechtfertigt. "Wenn es fanatisch ist, sein Volk, seine Glaubensbrüder, mit allen Mitteln zu schützen, dann kann man mich gern einen Fanatiker nennen", sagte der buddhistische Abt Ashin Wirathu der ZEIT. Seit dem Beginn der Pogrome im Sommer 2017 hatte sich Wirathu nicht mehr öffentlich geäußert.

Seiner Meinung nach unterstützten die muslimischen Rohingya islamistischen Terror. "Es kann die friedlichste und freundlichste Schafherde nicht in Ruhe leben, wenn in ihrer Mitte ein reißender Wolf lebt", sagte Ashin Wirathu. Vorwürfe von ethnischer Säuberung oder gar Genozid an den Rohingya wies er zurück. "Davon kann in Myanmar gar keine Rede sein. Was wir stattdessen in unserer Provinz Rakhine erlebt haben, sind Angriffe militanter Muslime auf Polizeistationen, Morde an unseren Soldaten." Das burmesische Militär habe sich lediglich gewehrt.

Ashin Wirathu steht dem Masoeyin-Kloster in Mandalay vor, wo 3.000 Menschen leben. In der Vergangenheit hatte er wiederholt gegen Muslime gehetzt und zu ihrer Vertreibung aus Myanmar aufgerufen. Besonders von der Hetze betroffen sind die mehrheitlich muslimischen Rohingya. Sie gelten als die am meisten verfolgte Minderheit der Welt. Nachdem militante Angehörige der Rohingya im August 2017 offizielle Wachtposten angegriffen hatten, holte das Militär zum Gegenschlag aus. Seither sind mehr als 650.000 Rohingya aus Myanmar in das Nachbarland Bangladesch geflohen, mindestens 10.000 wurden nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen getötet. Die UN nannten den Umgang mit den Rohingya einen "klaren Fall von ethnischen Säuberungen" und sprachen von "Anzeichen eines Genozids".

135 Volksgruppen in Myanmar

Derzeit verhandeln die Länder um eine Rückführung der Rohingya nach Myanmar. Zuletzt sagte Myanmar die Wiederaufnahme von 6.000 Rohingya aus einem Grenzgebiet zu.

Die Republik der Union Myanmar gilt als multiethnischer Staat. Nach offizieller Zählung leben dort 135 Volksgruppen, wobei die Mehrheit zur tibeto-birmanischen Gruppe der Bamar gerechnet wird. Die Rohingya sind eine kleine und begrifflich vergleichsweise junge Gruppe: Zwar gibt es seit vielen hundert Jahren Muslime in Myanmar, der Begriff Rohingya als Bezeichnung für eine Volksgruppe setzte sich aber erst ab den 1950ern durch. Zuvor war Rohingya ein Sammelbegriff für Aufständische.

Die Mehrheit der Menschen in Myanmar sind theravada-buddhistisch, das Auswärtige Amt schätzt ihren Anteil auf 89 Prozent. Muslime machen etwa vier Prozent aus. Daneben gibt es unter anderem noch Christen (5 Prozent), Hindus und Animisten (je 1 Prozent).