Mitarbeitende der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer sind nach eigenen Angaben in Ostghuta unter Beschuss geraten. "So schlimm wie jetzt war es noch nie", berichtete eine Helferin, die nur knapp eine Bombenexplosion überlebt hatte. Es sei für die Helferinnen und Helfer vor Ort derzeit zu riskant, ihre Arbeit zu verrichten. Alle seien deswegen angewiesen, sich in den Kellern zu verbarrikadieren.

Die SOS-Kinderdörfer betreiben in unmittelbarer Nähe der umkämpften Gebiete ein Nothilfezentrum. "Wir haben die Kapazitäten, umfangreich Hilfe zu leisten, aber erst müssen die Gefechte aufhören", sagte die SOS-Mitarbeiterin. Die Organisation fordert einen sofortigen Waffenstillstand, der von allen Konfliktparteien eingehalten wird. "Wenn es zu keiner Einigung kommt, wird ein schon jetzt kaum in Worte zu fassendes Elend sich noch weiter verschlimmern."

Die syrische Armee bombardiert Ostghuta seit Tagen. Am Montag wurden laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die der Opposition nahesteht, 127 Menschen getötet. Am Dienstag seien bei Luftangriffen mindestens 106 weitere Menschen getötet worden, darunter 19 Kinder. Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren an den Angriffen erstmals seit drei Monaten auch russische Kampfflugzeuge beteiligt. Die Informationen der Organisation können von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden.

Die Situation in Syrien

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich angesichts der Eskalation der Gewalt in der syrischen Region Ostghuta "zutiefst beunruhigt" über die verheerende Lage der Zivilisten gezeigt. Guterres appelliere an alle Konfliktparteien, sich an die grundlegenden Prinzipien des Menschenrechts wie den Schutz von Zivilisten zu halten, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Außerdem erinnere Guterres daran, dass Ostghuta von Russland, der Türkei und dem Iran zur Deeskalationszone erklärt worden sei. Er mahnte die Länder, sich an ihre "Zusagen in dieser Hinsicht" zu erinnern.

Fast 400.000 Menschen in Ostghuta seien von Luftangriffen, Artilleriebeschuss und Bombenangriffen betroffen, sagte der UN-Sprecher. Die Menschen in der von syrischen Regierungstruppen belagerten Region lebten "unter extremen Bedingungen, Mangelernährung eingeschlossen".