Die britische Hilfsorganisation Oxfam hat sich offiziell bei Haiti für die sexuelle Ausbeutung durch ihre Mitarbeiter entschuldigt. Simon Ticehurst, Oxfam-Regionaldirektor für Lateinamerika und die Karibik, war dafür mit einer Delegation nach Haiti gereist.

Seine Organisation wolle "der haitianischen Regierung und der haitianischen Bevölkerung unsere Scham und unsere Entschuldigungen auszudrücken", erklärte Ticehurst in Port-au-Prince. Oxfam habe zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um interne Schutzstandards zu verbessern und ähnlichen Fehlentwicklungen in Zukunft vorzubeugen.

Der haitianische Minister für Planung und externe Zusammenarbeit, Aviol Fleurant, berief ein Treffen mit Oxfam-Delegierten ein. Nach der mehr als zweistündigen Unterredung erklärte Fleurant, die Regierung werde Berichte anfordern, um sich ein Bild zu machen. Die haitianische Regierung und die haitianische Justiz seien jedenfalls "niemals über die Verbrechen" informiert worden.

Die Zeitung The Times hatte Anfang Februar erstmals über den Skandal berichtet: Oxfam-Angestellte sollen während eines Hilfseinsatzes nach dem Erdbeben 2010 in Haiti Sexorgien mit jungen Prostituierten gefeiert haben. Oxfam hatte am Montag einen internen Untersuchungsbericht über die Vorfälle veröffentlicht. Dem Report aus dem Jahr 2011 zufolge kam es in Haiti unter anderem zu sexueller Ausbeutung, Belästigung und Einschüchterung durch Oxfam-Mitarbeiter, die in dem Land nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 Nothilfe leisten sollten.

Die britische Premierministerin Theresa May stellt nun ihre Kooperation mit Oxfam infrage. "Wir werden nicht mit jemandem zusammenarbeiten, der die hohen Standards nicht erfüllt, die wir für wichtig halten", sagte May. Zuvor hatte bereits die britische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Penny Mordaunt, damit gedroht, die Unterstützung für Oxfam zu streichen. Oxfam erhält jährlich umgerechnet etwa 35 Millionen Euro aus Steuergeldern.

Die Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence war infolge des Skandals vergangenen Woche zurückgetreten. Auch Ärzte ohne Grenzen und die US-Flüchtlingsorganisation International Rescue Committee (IRC) hatten zuletzt sexuelles Fehlverhalten in den eigenen Reihen eingeräumt.