Am kommenden Sonntag wählen die Italiener und Italienerinnen ein neues Parlament und damit auch eine neue Regierung. Wie es ausgeht, ist ungewiss: Den Umfragen zufolge sind ungefähr ein Drittel der 51 Millionen Wahlberechtigten noch unentschieden, wem sie ihre Stimme geben wollen.

Nach jetzigem Stand jedoch hätte eine Mitte-Rechts-Allianz, der unter anderem die rechtspopulistische Partei Lega – früher Lega Nord – und die Forza Italia von Silvio Berlusconi – der selbst gar nicht wählbar ist  – angehören, eine realistische Chance auf eine Mehrheit. Ihre wichtigsten Konkurrenten sind die regierende Partito Democratico und die Fünf-Sterne-Bewegung. Doch sie liegen in den Umfragen deutlich hinter dem Bündnis. Die zentrale Frage der italienischen Wahlen wird deshalb sein, wie weit das Land am Ende nach rechts rückt. 

Wer sind die führenden Politiker und Politikerinnen, die sich zur Wahl stellen? Wir stellen die sechs wichtigsten vor.

Matteo Renzi (Partito Democratico)

Matteo Renzi © Franco Origlia/Getty Images

Seit Jahren hat Matteo Renzi alles, wirklich alles auf diesen Tag hin geplant: den 4. März, den Tag der Parlamentswahlen. Er sollte der Tag seines politischen Triumphes werden, seiner Inthronisierung durch die Wähler als den starken Mann der italienischen Politik, der alle Konkurrenten überstrahlt.

An Selbstbewusstsein hat es dem 43-jährigen Florentiner aus christdemokratischer Familie nie gefehlt, und gewiss kann man ihm eines nicht vorwerfen: dass er konfliktscheu sei. Renzi stieg in der Politik rasant auf. Mit nur 29 Jahren wurde er Präsident der Provinz Florenz, gewählt von einem Mitte-Links-Bündnis. Fünf Jahre später, die Partito Democratico (PD) war gerade aus der Fusion von Ex-Kommunisten und Ex-Christdemokraten entstanden, setzte er sich gegen das in der neuen Partei herrschende linke Lager durch und wurde Bürgermeister von Florenz.

Aus seinem Sieg machte er eine politische Philosophie. "Verschrotten" wolle er das alte Parteiestablishment, verkündete Renzi keck. Seine Chance kam, als die PD vor fünf Jahren bei der Wahl nur bei 25 Prozent landete. Wenige Monate später wurde Renzi in Urwahlen zum Parteichef gekrönt. Im Februar 2014 dann putschte er seinen Parteifreund Enrico Letta als Ministerpräsident weg.

Zunächst gefiel den Italienern Renzis nassforsche Art, im Mai 2014 holte er bei den Europawahlen sensationelle 41 Prozent. Doch der Erfolg machte ihn übermütig. Renzi paukte eine Verfassungs- und eine Wahlrechtsreform durchs Parlament – die Bürger verwarfen seine Verfassungsreform und das Verfassungsgericht lehnte seine Wahlrechtsreform ab. Im Dezember 2016 musste Renzi als Regierungschef zurücktreten. Jetzt plant er sein Comeback. Seine Chancen scheinen allerdings nicht sehr gut zu sein. Die jüngsten Umfragen verheißen der PD ein noch schlechteres Resultat als 2013. Dann könnte Renzi auch sein Amt als Parteichef verlieren.

Paolo Gentiloni (Partito Democratico)

Paolo Gentiloni © Paolo Bruno/Getty Images

Je mehr Matteo Renzis Stern sank, desto heller erstrahlte der Stern von Paolo Gentiloni. Genauso wie Renzi fand auch Gentiloni über die von Christdemokraten dominierte Partei Margherita in die 2007 entstandene Partito Democratico, in der zu Beginn noch die ehemaligen Kommunisten aus der früheren Partei der Demokratischen Linken dominierten.

Ansonsten aber könnten Renzi und Gentiloni nicht unterschiedlicher sein. Der 63-jährige Römer sucht das Rampenlicht nicht. Er liebt keine lauten Töne, sondern verstand sich immer eher als Mann der zweiten Reihe, der lieber im Hintergrund wirkte. Seit 2001 sitzt er im Parlament, 2014 wurde er unter Renzi Außenminister. Als Renzi dann im Dezember 2016 als Ministerpräsident zurücktrat, suchte er mit Gentiloni selbst seinen Nachfolger aus. Renzi war sich sicher: Gentiloni würde treu als Statthalter walten, bis er selbst nach dem für 2018 erwarteten Wahlsieg zurückkehren würde.

Gentiloni machte dann den Job auf seine Art: unauffällig, geräuschlos, unaufgeregt. Den Italienern gefällt das. Mittlerweile ist er der populärste Politiker im Land. Sollte es nach der Wahl zum politischen Patt kommen, und sollte sich dann eine Übergangslösung abzeichnen, in der die PD mit Berlusconis Forza Italia und kleineren Kräften zusammengehen muss, um eine Regierung zu bilden – dann könnte deren Chef wieder Gentiloni heißen. Berlusconi jedenfalls lobt ihn regelmäßig über den grünen Klee.

Silvio Berlusconi (Forza Italia)

Silvio Berlusconi © Marco Luzzani/Getty Images

Er ist und bleibt das Stehaufmännchen der italienischen Politik. Keiner regierte nach 1945 das Land so lange wie Silvio Berlusconi, der 1994, dann 2001–2006 und schließlich 2008–2011 am Ruder war. Im Jahr 2011, auf dem Höhepunkt der Eurokrise, schien er definitiv erledigt: Das Land erlebte den ökonomischen Absturz, sein Regierungschef hingegen fiel durch Sexskandale auf, schließlich musste er zurücktreten. 2013 wurde er wegen Steuerbetrugs zu vier Jahren Haft verurteilt. Die musste er nicht absitzen, aber er büßte seinen Sitz im Senat ein und ist auch beim anstehenden Urnengang nicht selbst wählbar. Das Urteil schien das Ende seiner politischen Karriere zu sein.

Doch Berlusconi macht als Chef seiner Partei Forza Italia munter weiter. Zwischen 16 und 18 Prozent der Wähler finden die Rechtspartei immer noch gut. Viel wichtiger aber für Berlusconi ist: Ihm gelang es, eine Allianz mit der stramm rechtspopulistischen, ausländer- und EU-feindlichen Lega Nord unter Matteo Salvini, der postfaschistischen Partei Fratelli d'Italia unter der jungen Giorgia Meloni und einer kleinen gemäßigten Mitte-Rechts-Liste zu schmieden. Zusammen holen deren Mitglieder in den Umfragen 36 bis 38 Prozent, damit liegen sie klar vorne. Als einziges der drei politischen Lager hat die Allianz eine – wenn auch kleine – Chance, per Gewinn vieler Direktmandate eine Parlamentsmehrheit zu erringen.

Doch man sagt Berlusconi nach, er sei gar nicht scharf darauf, mit dem krawalligen Salvini zu regieren. Lieber, so heißt es, würde er mit der gemäßigt linken Partito Democratico eine Koalition bilden. Ob dafür die Sitze reichen, steht jedoch in den Sternen. Aber auch in einer Pattsituation wäre Berlusconi wieder einer der wichtigsten Strippenzieher der italienischen Politik.