"Das Ende eines Irrtums" nennt Südafrikas bekannter Karikaturist Zapiro den Rücktritt von Präsident Jacob Zuma. Das mit Vorwürfen der Korruption, Vetternwirtschaft und Vergewaltigung belastete Ex-Staatsoberhaupt hätte seinem Land keinen größeren Gefallen tun können. Am Abend des 14. Februar legte Zuma sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. An seine Stelle tritt Vizepräsident Matamela Cyril Ramaphosa, der in seiner politischen Karriere selbst nicht frei von Widersprüchen geblieben ist. Der neue Präsident wird als Erstes die erheblichen politischen Schäden reparieren müssen, die sein Vorgänger ihm hinterlassen hat. 

Seit Beginn der Präsidentschaft Zumas im Jahr 2009 hatte dieser zentrale Positionen im Staat, im Sicherheitsapparat und im staatlichen Rundfunk mit ihm gegenüber loyalen Leuten besetzt. Gleichzeitig konnten die Guptas, eine mit dem Zuma-Clan befreundete Unternehmerfamilie, Handlanger in Ministerien, Regulierungsbehörden und öffentliche Unternehmen schleusen und sich so durch Zumas Hilfe aus den Staatskassen bedienen. Als state capture – eine Übernahme des Staates – hatte die Juristin Thuli Madonsela in ihrer Funktion als Südafrikas Ombudsfrau Zumas Vorgehen in einem Untersuchungsbericht beschrieben.

Während der fast neunjährigen Zuma-Ära ist Politik für viele Südafrikaner so zur Farce verkommen. Selbst treue Anhänger der Regierungspartei African National Congress (ANC) haben sich abgewendet. Zwar vermochte Jacob Zuma Südafrikas junge Demokratie nicht zu zerstören, ihre Institutionen hat er jedoch massiv ausgehöhlt. Nun liegt es an Cyril Ramaphosa, diesen Sumpf aus Vetternwirtschaft, Korruption und Selbstbereicherung auszutrocknen und Südafrikanern das Vertrauen in die politischen Institutionen zurückzugeben.

Ramaphosa gilt als Verhandlungsgenie

Doch wer ist der neue Mann an der Spitze des Staates? Auf den 65-jährigen Cyril Ramaphosa treffen erst mal viele Beschreibungen zu: Anti-Apartheid-Aktivist, Architekt des neuen Südafrika, Gewerkschaftler, erfolgreicher Geschäftsmann, leidenschaftlicher Viehzüchter. Und doch bleibt der Politiker Ramaphosa obskur. Als Enigma, Rätsel, beschreibt er sich treffend selbst gegenüber seinem Biografen Anthony Butler. "Südafrikas bestgehütetes Geheimnis" nennt ihn der südafrikanische Journalist Ray Hartley in seinem vor Kurzem erschienenen Buch über Ramaphosas politische Laufbahn.

Abgesehen von genau abgewägten politischen Stellungnahmen gebe er nur wenige Informationen preis, meint Hartley. Das und sein zurückhaltendes Taktieren machten es schwierig einzuschätzen, inwieweit Ramaphosa fähig und willig ist, das System zu reformieren. "Ich traue es ihm zu, aber er muss jetzt klare Worte finden. Sein soft approach bewirkt nichts", so Cheryl Hendricks, Professorin für Politikwissenschaften an der Universität Johannesburg: "Was Südafrika jetzt braucht, ist kompetente Führung."

In einem sind sich Beobachter einig: Der charismatische ANC-Veteran ist ein Meister der Taktik und Verhandlung. Als Chef-Unterhändler des ANC brachte Ramaphosa die seit 1948 über 40 Jahre lang regierende National Party dazu, freien demokratischen Wahlen zuzustimmen. Er bringe den Truthahn dazu, Thanksgiving zu wählen, schreibt Journalist Hartley sinngemäß. Obwohl er Nelson Mandelas Wunschkandidat für seine Nachfolge war, wählte der ANC Ramaphosas Rivalen Thabo Mbeki Ende der 1990er Jahre als Präsidentschaftskandidaten.

Ramaphosa kehrte daraufhin der Politik den Rücken – und machte als Geschäftsmann Millionen, unter anderem mit McDonalds-Franchises, Minen und Immobilien. Mit einem Besitz im Wert von 450 Millionen US-Dollar zählt er heute zu den reichsten Männern Südafrikas. Über sein Privatleben ist nur wenig bekannt.

2014 erfolgte die Rückkehr in die erste Reihe der Politik, Jacob Zuma ernannte ihn zum Vizepräsidenten. Im Dezember 2017, nach drei weiteren skandalgeplagten Zuma-Jahren, gewann Ramaphosa die Wahl zum ANC-Vorsitzenden gegen Zumas Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma. Eine Welle der Erleichterung ging durch das Land. Nach den Jahren unter Zuma symbolisiert Ramaphosa für viele Südafrikaner Hoffnung auf einen politischen Neuanfang und auf einen wirtschaftlichen Aufschwung.