Nach einer 13-stündigen Sitzung hat der Afrikanische Nationalkongress (ANC) offenbar entschieden, Jacob Zuma von seinem Amt als Staatspräsident abzuberufen – nachdem er einen Rücktritt abgelehnt hatte. Das berichteten mehrere unabhängige Medien, wie etwa die südafrikanische Times, sowie mehrere Nachrichtenagenturen, die Parteikreise als Quellen angaben.

Das Exekutivkomitee kann den Präsidenten zwar zum Rücktritt zwingen, Zuma muss dem jedoch nicht Folge leisten. Der staatliche Rundfunk SABC berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen, das Gremium habe Zuma ein Ultimatum von 48 Stunden gestellt. Sollte er nicht freiwillig zurücktreten, würden die Abgeordneten der Partei ein Misstrauensvotum gegen ihn anstrengen. Südafrikas Opposition forderte vorgezogene Parlamentswahlen.

Der ANC werde Zuma seine Entscheidung mitteilen, hieß es. Der 75-Jährige werde darauf öffentlich antworten. Es gab zunächst keine offizielle Bestätigung für die Berichte. 

Amtszeit läuft 2019 aus

Zuma ist seit 2009 Präsident Südafrikas. Es gibt zahlreiche Korruptionsvorwürfe gegen ihn. Ihm wird etwa vorgeworfen, sich bei der Luxussanierung seiner Privatvilla persönlich bereichert zu haben. In Zumas zweiter Amtszeit, die 2014 begann, gab es Vorwürfe, er habe einer befreundeten Unternehmerfamilie, den Gupta-Brüdern, Aufträge zugeschoben. Außerdem soll er ihnen Einfluss auf Politik und staatliche Unternehmen gewährt haben. Zuma weist die Vorwürfe zurück. Seine Amtszeit läuft eigentlich 2019 aus.

Der Parteivorsitzende und gegenwärtige Vizepräsident Cyril Ramaphosa hatte am Sonntag auf einer Kundgebung erklärt, im Interesse der Nation werde der Übergang der Macht rasch eingeleitet. Der 65-jährige Multimillionär Ramaphosa gilt als wahrscheinlicher Nachfolger Zumas.