Die Vereinten Nationen untersuchen Hinweise auf einen erneuten Giftgaseinsatz in Syrien. Es gebe "vielfältige Informationen" zu Chlorgasangriffen auf die Stadt Sarakeb in der Provinz Idlib und auf die Stadt Duma in Ostghuta, teilte der Vorsitzende der unabhängigen UN-Untersuchungskommission zu Syrien, Paulo Pinheiro, mit. Die Berichte seien alarmierend.

Der syrische Zivilschutz, auch bekannt als Weißhelme, hatte darüber am Montag berichtet. Nach ihren Angaben wurden mindestens zwölf Menschen verletzt, als sie Chlorgas einatmeten. Pinheiro verurteilte die Eskalation der Kämpfe in den vergangenen Tagen. Bei Luftschlägen seien nach Berichten mindestens drei Krankenhäuser getroffen worden. "Die Konfliktparteien erfüllen ihre Verpflichtungen nach den internationalen Völkerrechten nicht", sagte er. Bei der Belagerung der Region Ostghuta durch Regierungstruppen gebe es auch willkürliche Bombardierungen. Außerdem werde die Bevölkerung vorsätzlich ausgehungert. Am Montag hatte der UN-Sicherheitsrat über den mutmaßlichen Giftgas beraten, sich aber nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen können.

Angesichts des "dramatischen Anstiegs" der Kämpfe in den vergangenen 48 Stunden forderten die UN eine Waffenruhe für Syrien. Die Kämpfe müssten für mindestens vier Wochen eingestellt werden, um die Menschen versorgen zu können, erklärten die UN-Botschafter in Genf. UN-Vertreter beklagten, sie könnten tonnenweise bereitstehende humanitäre Hilfe wegen anhaltender Kämpfe und umständlicher Genehmigungsverfahren nicht verteilen. Mehr als 13 Millionen Not leidende Menschen im Land brauchen solche Unterstützung. Die syrische Luftwaffe setzte jedoch ihre Angriffe auf die von Rebellen gehaltenen Gebiete im Nordwesten und bei Damaskus fort.

Die UN-Botschafter verlangten, dass in den umkämpften Gebieten die Verletzten und Kranken medizinisch versorgt werden müssten. Sie zählten sieben Regionen auf, darunter Afrin nordwestlich von Aleppo, wo die türkische Armee gegen die YPG kämpft. Südwestlich von Aleppo töteten Rebellen nach Angaben der türkischen Armee bei einem Raketenangriff einen Soldaten. Fünf weitere seien verletzt worden.

"Es gibt keine sicheren Orte mehr"

Die türkische Armee bringt sich nahe der Front zwischen Rebellen und Truppen von Präsident Baschar al-Assad in Stellung. Grundlage dafür ist eine Vereinbarung der Türkei mit Russland und dem Iran, wonach in der Region die Kämpfe eingedämmt werden sollen. Doch die Übereinkunft wurde im Dezember weitgehend zunichtegemacht, als Assad-Truppen mit russischer Unterstützung eine Offensive gegen die Rebellen in der Provinz Idlib starteten.

Auch am Dienstag griff die syrische Luftwaffe Rebellen in der Region an. Nach ungesicherten Angaben lokaler Aktivisten wurden dabei auch zahlreiche Zivilisten getötet. Mindestens fünf Menschen seien im Dorf Tarmala rund 40 Kilometer südlich der Stadt Idlib getötet worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Zudem seien bei den jüngsten Luftangriffen in Ostghuta bei Damaskus mindestens 33 Menschen getötet worden, darunter Kinder. Einen Tag zuvor seien es 30 Tote gewesen. "Heute gibt es keinen sicheren Ort mehr", sagte der Leiter der Zivilverteidigung für die von Rebellen gehaltenen Landstriche bei Damaskus.

Die Türkei, Russland, der Iran, aber auch die USA sind in den Bürgerkrieg tief verstrickt. Zudem hat die Türkei mit ihrer Offensive gegen die YPG eine neue Front eröffnet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf dem Nato-Partner USA vor, mit der Unterstützung der YPG durch Ausrüstung und Waffen gegen die Interessen der Türkei, des Irans und vielleicht auch Russlands in Nordsyrien zu arbeiten. Die US-Truppen müssten aus Manbidsch abziehen. Die Stadt in der Provinz Aleppo wird mithilfe der USA von der YPG kontrolliert. Der Iran, ein Verbündeter Assads, wiederum rief die Regierung in Ankara auf, ihre Offensive gegen die YPG zu beenden. Sie könne Unsicherheit, Instabilität und Terrorismus nach Syrien zurückbringen.