Syrische Regierungstruppen haben sich nach Angaben von Aktivistinnen und Aktivisten der UN-Resolution für eine sofortige Waffenruhe in Syrien widersetzt. Die Luftwaffe habe erneut zwei Angriffe auf das Gebiet am Rande der Hauptstadt Damaskus geflogen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Zudem sei es weiterhin zu Bodengefechten zwischen einer der Rebellengruppen und Regierungstruppen in dem Gebiet Al-Mardsch gekommen.

Auch in der Region Afrin im Nordwesten Syriens gehen die Kämpfe zwischen dem türkischen Militär und der Kurdenmiliz YPG offenbar weiter. Die türkischen Truppen und verbündete Rebellen seien unterstützt von Luftangriffen weiter vorgerückt und hätten mehrere Dörfer unter ihre Kontrolle gebracht, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auch der Sender CNN Türk berichtete, dass die Offensive fortgesetzt werde. Demnach habe das türkische Militär fünf weitere Dörfer eingenommen.

Die Gewalt in der stark umkämpften Region Ostghuta sei seit der Entscheidung des UN-Sicherheitsrates jedoch deutlich zurückgegangen, berichteten die Aktivisten weiter. "Seitdem gab es keine zivilen Opfer", teilte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, mit. UN-Generalsekretär António Guterres mahnte eine "unverzügliche und dauerhafte" Umsetzung der Waffenruhe an. Er erinnerte alle Konfliktparteien an ihre "absolute Verpflichtung", Zivilistinnen und Zivilisten zu schützen.

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrates stimmten am Samstag für eine Resolution, die die dramatische Lage in dem Bürgerkriegsland entschärfen soll. Diese sieht eine sofortige Waffenruhe für ganz Syrien vor, die mindestens 30 Tage anhält. Die Zeit soll dafür genutzt werden, die Zivilbevölkerung mit dringend benötigten Hilfsgütern zu versorgen. Völkerrechtlich bindende Druckmittel enthält die Resolution allerdings nicht. Daher ist unklar, ob sich die Konfliktparteien an die Waffenruhe halten.

Iran stimmt Waffenruhe nur bedingt zu

Der Iran hat sich nur unter Vorbehalten zur Resolution des UN-Sicherheitsrates bekannt. Auch in Teheran stimme man der internationalen Entscheidung zu, sagte der iranische Generalmajor Mohammad Bagheri. Der Waffenstillstand dürfe jedoch nicht für Gebiete gelten, die noch von "Terroristen" besetzt seien. Dem Stabschef der iranischen Streitkräfte zufolge sollten die syrischen Truppen weiter angreifen und die Regionen von jenen "Terroristen säubern". Der Iran gilt neben Russland als einer der wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung.

In Syrien konzentrieren sich die Kämpfe derzeit auf die Kurdenregion Afrin und das von Rebellen kontrollierte Ostghuta bei Damaskus. Die Region erlebt seit einer Woche die schlimmsten Angriffe seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Etwa 400.000 Menschen sind in der Stadt eingeschlossen und von humanitärer Hilfe abgeschnitten. UN-Generalsekretär Guterres nannte Ostghuta die "Hölle auf Erden".