Die syrische Armee hat nach einer fünfstündigen Feuerpause am Vormittag ihre Angriffe auf die Rebellen-Enklave Ostghuta fortgesetzt. Am Nachmittag sei die Region erneut bombardiert worden, teilte die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtergruppe für Menschenrechte mit. Von unabhängiger Stelle kann dies nicht überprüft werden.

Die Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad bombardiert die Vororte von Damaskus seit mehreren Wochen, Unterstützung bekommt sie dabei von Russland. Eine vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Waffenruhe für ganz Syrien wird seit dem Wochenende immer wieder gebrochen, genauso wie die von Russland vorgeschlagene Feuerpause, die seit Dienstag täglich von 9 bis 14 Uhr gelten soll.

Nach der Vorstellung Russlands soll die fünfstündige Waffenruhe Zivilisten und Kranken ermöglichen, Ostghuta über einen Korridor zu verlassen. In dem von Rebellen kontrollierten Gebiet leben nach Schätzungen 400.000 Menschen. Seit Wochen ist die Versorgungslage in Ostghuta dramatisch schlecht, es mangelt an Wasser, Lebensmitteln oder medizinischer Ausrüstung. Zuletzt forderten Hilfsorganisationen immer wieder Zugang zu den Menschen in Ostghuta.

Ob der Fluchtkorridor aber tatsächlich genutzt wird, darüber gibt es unterschiedliche Angaben: Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, es sei Russland gelungen "eine recht große Gruppe" Zivilisten aus Ostghuta herauszubringen. Das russische Verteidigungsministerium teilte der Agentur Interfax zufolge indes mit, wegen des andauernden Beschusses hätten keine Zivilisten das Gebiet verlassen. Auch ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, am Kontrollpunkt Wafidin hätten Busse und Krankenwagen gewartet, doch sei kein Zivilist dort aufgetaucht. Rebellen berichteten, die Menschen in Ostghuta hätten Angst vor den Soldaten Assads und harrten deshalb in ihren Häusern aus. Weiter berichteten sie von erneuten Kämpfen und Bombardements – auch während der Feuerpause.

UN sieht keine Verbesserung für Bewohner von Ostghuta

Der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock sagte, die Feuerpausen hätten für die Zivilisten noch keine Verbesserungen gebracht. Seinen Angaben zufolge hätten auch die Kämpfe nicht aufgehört, sagte Lowcock dem UN-Sicherheitsrat in New York. Die Vereinten Nationen stünden zwar bereit, um Bedürftige mit Hilfe zu versorgen und Verletzte und Kranke in Sicherheit zu bringen. Es seien bislang aber keinerlei Genehmigungen ausgestellt worden, in das Gebiet vorzudringen. Zudem seien fünf Stunden pro Tag nicht ausreichend, um einen Hilfskonvoi nach Ostghuta zu bringen.

Insgesamt hätten in diesem Jahr bislang nur rund 7.200 Menschen mit einem kleinen Konvoi in belagerten und schwer zugänglichen Gebieten Syriens mit humanitärer Hilfe versorgt werden können, sagte Lowcock. Das seien deutlich weniger als im vergangenen Jahr, was daran liege, dass die syrische Regierung nur ganz selten Genehmigungen herausgebe. "Wenn sich das nicht ändert, werden bald mehr Menschen an Hunger und Krankheiten sterben als an Bombardierungen und Beschießungen", sagte Lowcock.

Syrische Armee setzt Bombardierung von Ostghuta fort

IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Russland und Syrien beziehen die Aufständischen nicht in die Feuerpause mit ein. Auch die Angriffe auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" sind von der Waffenruhe gänzlich ausgenommen. Putin sagte, es läge an den Rebellen, die Lage in Ostghuta zu beruhigen. "Wenn jeder seine taktischen und politischen Vorteile suche, werde nichts gelingen", sagte der russische Präsident in Moskau. Zugleich forderte er ein Ende des Beschusses von Ostghuta aus. "Von dort aus wird ständig geschossen", sagte Putin. Auch die russische Botschaft in Damaskus sei schon getroffen worden. Dies könne nicht ewig so weitergehen.