Trotz einer von Russland ausgerufenen Waffenruhe in der umkämpften syrischen Region Ostghuta hat es nach Angaben von Aktivisten dort neue Angriffe gegeben. Das Gebiet bei Damaskus sei von Raketen und Bomben getroffen worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit – Angaben, die von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden können. Zugleich hieß es von Seiten des russischen Militärs, Rebellen würden sich nicht an die Feuerpause halten und den sogenannten humanitären Korridor mit Mörsergranaten beschießen. Dies wies wiederum die Rebellengruppe Dschaisch al-Islam umgehend zurück. 

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Am Montag hatte der russische Präsident Wladimir Putin angeordnet, dass die Angriffe der von Russland unterstützen syrischen Streitkräfte auf Ostghuta jeden Tag zwischen 9 und 14 Uhr Ortszeit pausieren sollen. Damit sollen Hilfslieferungen in die belagerte Region ermöglicht werden, wo rund 400.000 Menschen seit Wochen fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten sind. Zudem sollen Korridore geöffnet werden, durch die Zivilisten das Gebiet verlassen können.

Kritik an "Zwangsvertreibung"

Kritiker bemängeln, die fünfstündige Feuerpause sei viel zu kurz. "Wer das vorgeschlagen hat, ist ein Folterexperte", twitterte Mohammed Katub von der Hilfsorganisation Syrian American Medical Society (SAMS). "Es ist, als halte man das Opfer am Leben, um ihm noch mehr Schmerzen zu bereiten." Der lokale Rat von Ostghuta nannte das Angebot eines Abzugs von Zivilisten zudem eine "Zwangsvertreibung". Die Menschen hätten nur die Wahl, unter der Bombardierung zu sterben oder ihre Heimat zu verlassen.

Der Leiter des Bereichs Internationale Zusammenarbeit beim Deutschen Roten Kreuz, Christof Johnen, bezweifelt, ob die Menschen in Ostghuta jetzt auf schnelle Hilfe hoffen können. "Dort fehlt es inzwischen an allem", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Hilfskonvois könnten aber erst dann fahren, wenn alle Konfliktparteien dem auch ausdrücklich zugestimmt haben. Fünf Stunden seien dafür sehr knapp.

Der UN-Sicherheitsrat hatte am Wochenende eine Waffenruhe von 30 Tagen gefordert, was aber wirkungslos geblieben war. Stattdessen erlebten die Menschen in Ostghuta in den vergangenen neun Tagen die schlimmste Angriffswelle der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, mehr als 560 Zivilisten seien getötet worden, fast ein Viertel von ihnen Kinder. Die Angaben der Aktivisten können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.