Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat angekündigt, dass das türkische Militär in den kommenden Tagen die syrische Stadt Afrin belagern wird. Die Armee werde das Stadtzentrum "in den nächsten Tagen" belagern, sagte Erdoğan vor der AKP-Fraktion in Ankara. "Auf diese Weise wird die Hilfe von außen blockiert und die Terrororganisation wird nicht mehr die Möglichkeit haben, mit jemandem einen Handel einzugehen."

Die türkische Armee nahm nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag zwei weitere Dörfer südwestlich von Afrin ein. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind die Türkinnen und Türken allerdings noch mehr als 17 Kilometer von der Stadt Afrin entfernt. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivistinnen und Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Die türkische Armee geht seit einem Monat gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Afrin vor, kommt bislang aber nur langsam voran. Die kurdischen Kämpfer hatten die Region zuvor von der Terrororganisation "Islamischer Staat" befreit und werden von den USA unterstützt. Mit der sogenannten Operation Olivenzweig will Erdoğan in Afrin zuerst "die Terroristen ausrotten" um die Region dann "lebenswert" zu machen.

In Deutschland wird die Offensive auch deswegen kritisiert, weil die türkische Armee dafür offenbar deutsche Panzer einsetzt. Vor allem die Grünen und die Linken forderten aus diesem Grund den sofortigen Stopp der deutschen Waffenexporte in die Türkei.

Auch syrische Panzer und Truppen könnten sich in den Konflikt im Nordwesten des Landes einschalten: Die YPG und Syriens Regierung verhandeln über die Entsendung regierungstreuer Kräfte in die Region Afrin zur Unterstützung der kurdischen Kämpfer. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hatte der syrischen Armee daraufhin mit einer weiteren Eskalation gedroht, sollte sie die Kurdinnen und Kurden unterstützen. Vertreter der YPG warfen Russland vor, das Regime von Baschar al-Assad von diesem Vorhaben abgebracht zu haben.

45 Tote durch Angriffe auf Ostghuta

Die syrische Armee konzentrierte ihre Angriffe zuletzt auf das von Rebellen kontrollierte Ostghuta bei Damaskus. Dabei sind nach Angaben von Aktivisten am Dienstag mindesten 45 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien zwölf Kinder, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Seit Beginn der verstärkten Luftangriffe am späten Sonntagabend seien in dem Gebiet bei Damaskus somit insgesamt etwa 190 Menschen getötet und ungefähr 850 verletzt worden. Der bislang schlimmste Tag war den Angaben zufolge Montag: 100 Menschen seien ums Leben gekommen – so viele an einem einzigen Tag wie seit drei Jahren nicht mehr.

Beobachterinnen und Beobachter vermuten, dass damit eine Bodenoffensive zur Rückeroberung des Gebiets vorbereitet werden soll. In Ostghuta leben rund 400.000 Menschen unter Belagerung, die humanitäre Lage wird täglich prekärer. Das Gebiet wird seit 2013 von diversen islamistischen Rebellengruppen kontrolliert.