Ein türkisches Gericht hat eine Journalistin und zwei Journalisten zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Die Richter hätten die Brüder Ahmet und Mehmet Altan sowie Nazlı Ilıcak des "Versuchs zum Umsturz der Verfassungsordnung" schuldig befunden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Sie hatten die Vorwürfe als absurd zurückgewiesen.

Die Brüder Mehmet und Ahmet Altan sollen dem Urteil zufolge über eine Talkshow im Fernsehen einen Tag vor dem Putschversuch am 15. Juli 2016 versteckte Botschaften ausgesendet haben. Auch Nazlı Ilıcak werfen die Richter die Unterstützung des Netzwerks der Putschisten vor. Das Urteil gegen die drei fiel, kurz nachdem ein anderes Istanbuler Gericht entschieden hatte, den Welt-Korrespondenten Deniz Yücel freizulassen. Das Gericht fällte das Urteil außerdem, obwohl einer der Männer nach Anordnung des höchsten türkischen Gerichtes freigelassen werden sollte.

In dem Fall wurden auch der frühere Marketingdirektor der Zeitung Zaman, Yakup Şimşek, der Zaman-Graphiker Fevzi Yazıcı und ein Dozent der Polizeiakademie, Şükrü Tuğrul Özşengül, verurteilt. Die heute verbotene Zaman gehörte zur Gülen-Bewegung, die für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen sprach nach dem Urteil von einem "schwarzen Tag" für die Pressefreiheit in der Türkei. Anfang Januar hatte das Verfassungsgericht die Freilassung von Mehmet Altan angeordnet, da seine lange U-Haft seine Rechte verletze. Ein untergeordnetes Gericht in Istanbul weigerte sich jedoch, das Urteil umzusetzen. Nach scharfer Kritik der Regierung revidierte das Verfassungsgericht sein Urteil. Zugleich betont die Regierung immer wieder, die Justiz in der Türkei sei unabhängig.

Der 65-jährige Mehmet Altan hat mehrere Bücher zur türkischen Politik verfasst, sein zwei Jahre älterer Bruder ist Romanautor und Mitbegründer der Zeitung Taraf. Ebenso wie die 73-jährige Schriftstellerin Ilıcak gehören sie zu den renommiertesten Journalisten des Landes.