Als Reaktion auf die unerwartete Niederlage bei einer Bürgermeisterwahl hat der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán die Negativkampagne gegen den US-Milliardär George Soros stoppen lassen. Die Abgeordneten und Kandidaten der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz erhielten von der Parteizentrale strikte Weisung, in den sozialen Medien "keinerlei negative, diffamierende Materialien im Zusammenhang mit Soros zu posten", berichtet die oppositionelle Tageszeitung Magyar Nemzet, der das interne Papier nach eigenen Angaben zugespielt wurde.

"Schimpferei auf Volksschulniveau"

Anlass für den vorläufigen Kampagnenstopp war die Bürgermeisterwahl in Hodmezövasarhely, wo der von einer breiten Oppositionsfront unterstützte parteilose Kandidat Peter Marki-Zay überraschend klar gegen den favorisierten Fidesz-Mann gewonnen hatte. Sechs Wochen vor der Parlamentswahl am 8. April hatten Parteien und Wahlforscher die Wahl in der südostungarischen Kleinstadt als "Testwahl" gewertet. In Ungarn werden 106 der 199 Parlamentssitze auf ähnliche Weise in Direktwahl vergeben.

Angesichts dieser Niederlage begann unter Orbán-getreuen Meinungsmachern eine Debatte über die Wirksamkeit der Kampagne. "Wir sollten mit dieser Soros-Schimpferei auf Volksschulniveau aufhören", hatte etwa Andras Bencsik, der Chefredakteur der regierungsnahen Wochenzeitung Demokrata, gesagt.

"Soros will Millionen Menschen aus Afrika und dem Mittleren Osten hierher umsiedeln": Ein Plakat der Regierung hetzt gegen den US-Milliardär. © Bernadett Szabo/Reuters

Orbán, der seit 2010 regiert, hatte seine Kampagne unter dem Motto "Stop Soros!" bislang fast ausschließlich auf das Schüren von Ängsten vor Zuwanderern aufgebaut. Im Mittelpunkt stand dabei der ungarischstämmige US-Milliardär, dem die Kampagne unterstellt, Europa mit Flüchtlingen überschwemmen zu wollen.