Am Ende waren es zwei Reden, die den Haushaltskompromiss in Washington in sich zusammenfallen ließen und so innerhalb weniger Wochen einen zweiten Regierungsstillstand wahrscheinlich machten. Schon am Mittwoch hatte Nancy Pelosi, die Sprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus, in einer achtstündigen Rekordrede ihren Unmut geäußert, am Donnerstagabend legte der Republikaner Rand Paul nach.

Der libertäre Querdenker aus Kentucky stellte klar, dass die geplanten Ausgabenerhöhungen mit ihm nicht zu machen seien. "Ich will, dass meine Kollegen sich unwohl fühlen", sagte Paul in seiner Rede im Senat. "Wie kann es sein, dass Sie gegen das Defizit von Obama waren und für das Defizit der Republikaner?" Mit seinem mehrstündigen Auftritt machte der streitbare Senator eine rechtzeitige Abstimmung unmöglich, bis die Parteispitzen vorerst aufgaben – und ihren Versuch einer Einigung auf nach Mitternacht Ortszeit verschoben.

Mit dem gescheiterten Beschluss pünktlich zum Ablauf der Frist drohen nun erneut zahlreichen Regierungsstellen und öffentlichen Einrichtungen die Mittel auszugehen. Nach Pauls Intervention verabschiedete der Senat zwar den vorliegenden Zwei-Jahres-Haushalt, er muss aber noch durch das Repräsentantenhaus. Sollten die Abgeordneten dort nicht bis zum Morgen zustimmen, würden viele Behörden geschlossen bleiben und Hunderttausende Staatsangestellte bis auf Weiteres in Zwangsurlaub geschickt. Erst im Januar hatte die Regierung für drei Tage stillgestanden, weil sich Demokraten und Republikaner nicht auf eine kurzfristige Übergangsfinanzierung einigen konnten.

"Traum eines jeden Schuldenjunkies"

Am Mittwoch hatte es so ausgesehen, als ob noch vor Ablauf der Frist um Mitternacht ein langfristiger Kompromiss nach monatelangem Streit über den Haushalt möglich wäre. Die Spitzen beider Parteien im Senat hatten sich auf einen 600 Seiten langen Entwurf für einen längerfristigen Haushalt geeinigt und die Annäherung als seltenes Zeichen der Zusammenarbeit gefeiert. "Hoffentlich ist das der Auftakt für eine neue überparteiliche Herangehensweise, um die Probleme unseres Landes zu lösen", fasste der Republikaner Mitch McConnell die Stimmung zusammen. Auch Präsident Donald Trump hatte den Kompromiss auf Twitter begrüßt: "Die Vereinbarung ist so wichtig für unser Militär."

Doch in weiten Teilen beider Parteien löste der Beschluss wenig Begeisterung aus. Die Hardliner bei den Republikanern schreckten vor den hohen Ausgaben in dem Paket zurück. Zahlreiche Demokraten wollen einen Haushaltsbeschluss nur dann mittragen, wenn dieser an Gespräche für einen umfassenden Schutz Hunderttausender Einwanderer geknüpft ist, die als Kinder oder Jugendliche illegal ins Land gekommen waren und deren Status derzeit in der Schwebe ist.

"Es ist der Traum eines jeden Schuldenjunkies", fasste Mo Brooks, Abgeordneter aus Alabama, die Stimmung der Skeptiker in den Reihen der Konservativen zusammen. "Ich bin kein Nein, ich bin ein Zur-Hölle-Nein." Vielen Republikanern geht der Kompromiss, der die Ausgaben in den kommenden zwei Jahren um rund 300 Milliarden Dollar erhöhen würde, vor allem wegen der gerade beschlossenen Steuerkürzungen zu weit. "Jetzt, da wir die Steuern gesenkt haben, gibt es keinen Zweifel daran, dass wir die Ausgaben senken müssen", sagte der Abgeordnete Tom McClintock vor der Abstimmung am Donnerstag.

Bis 2019 würde sich mit dem Plan das Haushaltsdefizit von rund 440 Milliarden auf über 1,1 Billionen Dollar erhöhen. Zugleich sollte die Schuldengrenze bis März 2019 aufgehoben werden – und damit die anstehenden Kongresswahlen entschärfen.

Neben den Mitgliedern im Kongress hatten sich auch zahlreiche einflussreiche konservative Gruppen wie die Heritage Foundation gegen die geplanten Erhöhungen ausgesprochen. Eine Gruppe rund um die Unternehmerbrüder Charles und David Koch beschrieb die Übereinkunft in einer öffentlichen Stellungnahme am Mittwoch als "Betrug am amerikanischen Steuerzahler". Der Plan sei ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kongressmitglieder kein Interesse an einer verantwortlichen Haushaltspolitik hätten. Das Ganze sei nicht nur "unverantwortlich, es ist eine Scheußlichkeit", schrieb Jason Pye von der Organisation FreedomWorks.