Nach dem Rücktritt eines engen Mitarbeiters von US-Präsident Donald Trump wegen Anschuldigungen der häuslichen Gewalt hat John Kelly offenbar seine Bereitschaft zum Rücktritt erklärt. Der Stabschef im Weißen Haus soll Trump mitgeteilt haben, er sei willens zurückzutreten, sollte das die Situation verbessern, berichtete die Washington Post. Auch die New York Times schrieb über Kellys angebliche Rückzugsbereitschaft. Dabei habe es sich allerdings um kein formelles Rücktrittsangebot gehandelt. Vertreter des Weißen Hauses sagten der Zeitung, sie gingen nicht davon aus, dass ein Rücktritt unmittelbar bevorstehe.

Kelly wird von US-Medien und auch von der Opposition verdächtigt, die Vorwürfe gegen seinen Mitarbeiter Rob Porter nicht ernst genug genommen zu haben. Porter wird von seinen beiden früheren Ehefrauen beschuldigt, sie misshandelt zu haben. Er hatte deshalb am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt, bezeichnete die Anschuldigungen jedoch als falsch und als "koordinierte Schmierkampagne".

Wenn Kelly diese Vorwürfe zu vertuschen versucht habe, müsse er "zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Senator Jon Tester von den oppositionellen Demokraten dem TV-Sender CNN. Sollte Trumps Stabschef "keinen wirklich guten Grund" für sein Vorgehen anführen können, sei er "auch weg".

"Viele von uns hätten es besser machen können"

Das Weiße Haus räumte Versäumnisse beim Umgang mit dem Skandal um Porter ein, der als Stabssekretär dafür zuständig war, die Papiermassen im Weißen Haus zu sichten und dem Präsidenten Dokumente zuzuleiten. "Viele von uns hätten es besser machen können", sagte Trump-Sprecher Raj Shah. Der Präsident habe aber weiterhin Vertrauen zu Kelly.

Trump selber sagte, er habe von den Gewaltvorwürfen gegen Porter erst kürzlich erfahren. Auf Kellys Rolle ging er nicht ein. Stattdessen lobte er Porter für dessen "sehr gute Arbeit" und sagte ihm eine "große Karriere" voraus. Zugleich verwies der Präsident auf Porters Unschuldsbeteuerung. Dieser mache eine "harte Zeit" durch. "Wir wünschen ihm alles Gute", sagte Trump.

Später wurde der Rücktritt eines weiteren Mitarbeiters des Weißen Hauses nach Vorwürfen häuslicher Gewalt bekannt. Der Redenschreiber David Sorensen werde die Regierungszentrale verlassen, hieß es in einer Stellungnahme des Weißen Hauses, aus der Politico und die Washington Post zitierten. Er arbeitete Stephen Miller zu, einem Berater von US-Präsident Donald Trump. 

Laut dem Bericht der Washington Post beschuldigt seine Ex-Frau Sorensen der häuslichen Gewalt. Sie gab demnach an, er habe sie während ihrer Ehe mehrfach physisch und psychisch misshandelt. Er wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte seine Ex-Frau, sich ihm gegenüber gewalttätig verhalten zu haben. In einer Nachricht an die Zeitung erklärte er, er habe seinen Rücktritt eingereicht, damit sich das Weiße Haus nicht mit der Angelegenheit herumschlagen müsse.

Kelly zeigte sich schockiert

Im Fall von Rob Porter hatte die Bundespolizei FBI laut dem Onlinemagazin The Intercept bei dem Sicherheitscheck vor dessen Amtsantritt auch dessen Ex-Frauen befragt, die dabei die Misshandlungsvorwürfe vorbrachten. Kelly verteidigte allerdings noch kurz vor Porters Rücktrittserklärung seinen Mitarbeiter als Mann von "wahrer Integrität und Ehre". Wenig später schob er eine zweite Erklärung nach, in der er sich schockiert über die Vorwürfe zeigte. Es gebe "keinen Platz für häusliche Gewalt in unserer Gesellschaft".

Präsidentensprecher Shah wollte auf die Frage von Journalisten, wann Kelly erstmals von den Anschuldigungen gegen seinen Mitarbeiter erfahren habe, nicht näher eingehen. Der Stabschef sei sich dieser Vorwürfe am Mittwoch "voll bewusst geworden". Nähere Angaben darüber, "wer was gewusst haben könnte", werde er nicht machen. Laut CNN sollen Trumps ranghohe Berater seit Monaten von den Vorwürfen gegen Porter gewusst haben.

Trump hatte Kelly im Sommer ins Weiße Haus geholt. Der Ex-General, der bis dahin Heimatschutzminister gewesen war, sollte die Machtkämpfe und Turbulenzen in der Regierungszentrale beenden und für Disziplin sorgen. In den vergangenen Monaten wurde Kelly aber dann selbst wiederholt zum Gegenstand von Kontroversen.

So wetterte er laut Medienberichten kürzlich in Vulgärsprache über die als Dreamers bezeichneten jungen Immigranten, die als Minderjährige illegal ins Land gekommen waren. Einige von ihnen seien "zu faul gewesen, ihre Ärsche hochzubekommen" und sich in das vom damaligen Präsident Barack Obama erlassene Schutzprogramm einzuschreiben. Die Äußerung löste Empörung bei den Demokraten aus.

Den Präsidenten hatte Kelly Anfang des Jahres mit seiner kolportierten Äußerung irritiert, Trump sei nicht "voll informiert" gewesen, als er im Wahlkampf die Grenzmauer zu Mexiko versprochen habe. Trump verwahrte sich öffentlich gegen diese Darstellung.