Der anhaltende Anstieg der Mieten nähert sich laut einem Gutachten des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA) seinem Ende. "Wir könnten 2018 an den Punkt kommen, wo Angebot und Nachfrage ungefähr im Gleichschritt wachsen", sagte Mitautor Harald Simons. In einigen Großstädten könnten die Preise für Wohnungen in den kommenden vier Jahren sogar sinken; in Berlin, München und Stuttgart um bis zu 30 Prozent. Bundesweit aber seien keine großen Korrekturen zu erwarten. Das Gremium ZIA besteht aus Branchenexperten.

Grund für die Wende könnte demnach die zurückgehende Nachfrage nach Wohnungen in Großstädten sein. Für viele jüngere Wohnungssuchende seien sie zu teuer geworden. Sie ziehen daher in kleinere Städte wie Passau, Bamberg, Fürth und Ingolstadt. Im Osten seien vor allem Leipzig, Cottbus und Rostock beliebt. Außerdem zögen weniger Flüchtlinge und EU-Bürger nach Deutschland. Gleichzeitig würden mehr Wohnungen gebaut.

Zuletzt seien die Preise allerdings noch gestiegen: Demnach lag der mittlere Mietpreis bundesweit im Jahr 2017 bei 7,46 Euro pro Quadratmeter nach 7,15 Euro pro Quadratmeter im Jahr zuvor. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen aus dem Bestand erhöhten sich im Bundesschnitt demnach von 1.970 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2016 auf  2.120 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2017.   

Auch bei Kaufwohnungen erwarten die Autoren eine Entspannung. Die Immobilienpreise in München, Berlin und möglicherweise auch Stuttgart könnten dem Gutachten zufolge in den nächsten fünf Jahren um ein Viertel bis ein Drittel sinken. In Hamburg, Frankfurt, Köln und Düsseldorf seien die Signale noch nicht da, "aber ein zukünftiges Abflauen ist auch hier gut möglich".

"Trendumkehr auf dem Wohnungsmarkt"

Barbara Hendricks (SPD), die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, sieht im ZIA-Gutachten einen Beleg für eine erfolgreiche Politik. "Wir haben eine dringend erforderliche Trendumkehr auf dem Wohnungsmarkt eingeleitet", sagte Hendricks. Dabei verwies sie auf rund eine Million neuer Wohnungen in der letzten Legislaturperiode. Diese Offensive müsse in einer Neuauflage der großen Koalition weitergehen, sollte es zu dem Regierungsbündnis kommen.

Der Mieterbund widerspricht der positiven Darstellung. Aus seiner Sicht gibt es keine Anzeichen für eine Beruhigung der Mietpreisentwicklung. "Die Mietpreisspirale dreht sich weiter und immer schneller", sagte Bundesdirektor Lukas Siebenkotten. Statt der benötigten 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr seien 2016 nur etwa 280.000 und 2017 etwa 300.000 Wohnungen fertiggestellt worden. Notwendig seien deshalb mehr Sozialwohnungen und eine wirksame Mietpreisbremse.