Die Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker (EPRDF) hat einen neuen Vorsitzenden gewählt. An der Spitze der Regierungskoalition Äthiopiens wird künftig Abiy Ahmed stehen, wie der staatliche Fernsehsender EBC berichtete. Es gilt als sicher, dass Ahmed damit auch den Posten des Ministerpräsidenten übernehmen wird. Traditionsgemäß fällt dem Vorsitzenden der Regierungskoalition in Äthiopien auch dieser Posten zu.

Ahmed würde auf Hailemariam Desalegn folgen. Der hatte Mitte Februar überraschend seinen Rücktritt erklärt, woraufhin die Regierung einen sechsmonatigen Ausnahmezustand ausrief, um Unruhen im Land zu verhindert. Der seit 2012 regierende Hailemariam stand in den vergangenen Jahren immer wieder wegen starker Proteste unter Druck.

Oromo und Amahara kritisieren Überrepräsentation der Tigray-Minderheit

In der Bevölkerung gibt es gegen die seit 1991 in Äthiopien regierende EPRDF breiten Widerstand. Unmut herrscht vor allem bei den größten Volksgruppen des Landes, den Oromo im Süden und Westen sowie den Amhara im Norden. Sie sehen die Minderheit der Tigray in der Regierungskoalition überrepräsentiert.

2015 und 2016 erschütterten die größten regierungskritischen Proteste seit 25 Jahren das ostafrikanische Land. Sie wurden gewaltsam niedergeschlagen, nach offiziellen Angaben wurden dabei mindestens 940 Menschen getötet.

Die EPRDF besteht aus vier Parteien – die Volksbefreiungsfront von Tigray, die National-Demokratische Bewegung der Amharen, die Demokratische Organisation des Oromovolkes sowie die Demokratische Bewegung der Südäthiopischen Völker. Gemeinsam mit ihren Verbündeten hat sie alle Sitze im Parlament inne. Ahmed wäre der erste Ministerpräsident aus der Volksgruppe der Oromo seit 27 Jahren.