Die syrische Regierung hat die Einnahme der nordsyrischen Stadt Afrin durch türkische Truppen und deren Verbündete verurteilt. Das syrische Außenministerium forderte in Mitteilungen an den UN-Sicherheitsrat und den Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, einen sofortigen Rückzug türkischer Truppen von syrischem Territorium. Das Vorgehen sei illegal und eine Invasion.

Die syrische Regierung Baschar al-Assads führt derzeit selbst eine Offensive in Ostghuta, nahe Damaskus. Alle Forderungen der Vereinten Nationen, die Angriffe auf die Bevölkerung einzustellen, blieben von der syrischen Regierung ungehört. Die Offensive wird von Russland mitgetragen, das ein Veto im UN-Sicherheitsrat hat und damit alle Resolutionen gegen Syrien blockieren kann.

Seit mehr als sieben Jahren herrscht in Syrien Krieg. Mitte Januar hatten dann auch noch türkische Soldaten mit einer Offensive auf Afrin im Norden Syriens begonnen. Am Sonntagmorgen, knapp zwei Monate später, hatten sie dann gemeinsam mit verbündeten Kämpfern der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA) die Stadt Afrin unter ihre Kontrolle gebracht. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hatten sich kampflos zurückgezogen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan kündigte danach an, der Militäreinsatz gegen die "Terroristen" sei noch nicht beendet. Er werde in anderen Teilen Syriens fortgesetzt, auch ein Einmarsch in den Irak sei denkbar.

In Afrin berichteten Aktivisten und Kurden am Montag von Plünderungen durch protürkische Kämpfer. Diese hätten die Namen ihrer Gruppen auf Geschäfte und Häuser gesprüht. Die meisten hatten gegen den syrischen Machthaber Assad gekämpft, bevor sie sich der türkischen Offensive angeschlossen hatten. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, plünderten sie wie schon am Vortag Wohnhäuser und Läden.

Nach der Einnahme der Stadt waren Autos, Laster und Traktoren zu sehen, die Nahrungsmittel, Elektrogeräte, Decken, Schafe und Motorräder abtransportierten. Der frühere Vorsitzende der Syrischen Nationalen Koalition (SNC), Chaled Chodscha, verurteilte die Plünderungen in Afrin. Für "Banditen und Wegelagerer" könne es unter den Rebellen keinen Platz geben, sagte er.

Die YPG ist in Syrien wichtigster Verbündeter der US-geführten Anti-IS-Koalition. Die USA taten jedoch nichts gegen den türkischen Vormarsch in Afrin. Auch Russland, das mit der Türkei und dem Iran über eine Lösung für den siebenjährigen Syrienkonflikt verhandelt, griff nicht ein.

USA zeigt sich beunruhigt über humanitäre Lage in Afrin

Die US-Regierung zeigte sich am Montag jedoch besorgt über die humanitäre Lage in der Region. Es scheine, als sei die Mehrheit der Bevölkerung der überwiegend kurdischen Stadt nach Androhung eines türkischen Angriffes in Sicherheit gebracht worden, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert. Dies verschärfe die ohnehin alarmierende humanitäre Situation in der Region zusätzlich. Man sei "zutiefst beunruhigt".

Der Sprecher der Kurdenmiliz YPG, Brossik al-Hassaka, sagte, es seien nun Hunderttausende Menschen in der Region auf der Flucht. Die UN-Nothilfebüro Ocha hatte am Sonntag erklärt, fast 100.000 Menschen aus Afrin seien in benachbarten Gebieten als Vertriebene registriert worden.