Tränengasgranaten flogen in Pristina über die Bänke der Abgeordneten, der Plenarsaal musste mehrfach geräumt werden. Schließlich gelang es dem kosovarischen Parlament dennoch, ein Grenzabkommen zwischen dem Kosovo und dem Nachbarstaat Montenegro zu ratifizieren. 80 der 120 Abgeordneten – und somit die benötigte Zwei-Drittel-Mehrheit – stimmten für das Abkommen. Nach der Abstimmung schrieb der kosovarische Präsident Hashim Thaçi im Kurznachrichtendienst Twitter, die Entscheidung des Parlaments sei das Ende von "Jahrzehnten der Isolierung". Das Abkommen gilt als Voraussetzung für den Kosovo, das visumsfreie Einreiserecht in die Europäische Union zu erlangen und ihr irgendwann beizutreten. "Jetzt ist die EU-Kommission am Zug", schrieb er weiter.

Der Parlamentssaal musste zuvor mehrere Male evakuiert werden, weil Oppositionsmitglieder Tränengasgranaten in den Raum warfen. Erst beim fünften Versuch konnte die Abstimmung am Abend zu Ende gebracht werden. Zunächst konnte nicht festgestellt werden, wer die Tränengasgranaten geworfen hatte. Die Geschosse mit dem Reizgas kamen allerdings offenbar aus der Richtung der linksnationalen Partei Vetevendosje, die seit Monaten gegen die Grenzanpassung protestiert. Sieben Abgeordnete der Partei wurden Polizeiangaben zufolge nach Durchsuchungen festgenommen. Vetevendosje-Abgeordnete setzten bereits in der Vergangenheit Tränengas im Parlament ein, um Abstimmungen zu stören, etwa bei der Wahl von Thaçi vor zwei Jahren.

Die beiden ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Kosovo und Montenegro hatten im Jahr 2015 ein Grenzabkommen geschlossen. Montenegro hat das Abkommen bereits angenommen. Die Gegner der Vereinbarung behaupten, dem Kosovo gingen dadurch 8.000 Hektar Wald- und Bergweideland verloren. Ministerpräsident Ramush Haradinaj hatte diese Woche noch versucht, die Bedenken der Abkommensgegner zu zerstreuen. "Dafür zu stimmen, gefährdet nicht das Territorium des Kosovos", sagte er den Abgeordneten. Die Abstimmung sei eine der wichtigsten Angelegenheiten des Landes. Vetëvendosje-Chef Albin Kurti hatte während der Debatte eine internationale Konferenz für eine neue Grenzregelung gefordert.