Die britische Premierministerin Theresa May will nach dem Brexit keines der bereits bestehenden Modelle für eine künftige Partnerschaft mit der EU übernehmen. Das sagte sie in einer Grundsatzrede zum Brexit. May rief zu einem Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU auf, das die meisten Wirtschaftsbereiche einschließen und damit weiter gehen solle als die bestehenden Abkommen zwischen Kanada und der EU. Allerdings solle Großbritannien nicht Teil des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sein. "Wir müssen ein neues Gleichgewicht finden, aber wir werden nicht die Rechte Kanadas akzeptieren mit den Verpflichtungen Norwegens", sagte May. Norwegen ist Teil des EWR.

Sie strebe die "breiteste und tiefste Partnerschaft" mit der EU an, sagte May. Großbritannien werde sich darum bemühen, Teil mancher EU-Behörden zu bleiben, darunter jenen für Arzneimittel- und Flugsicherheit. Ihr Land sei bereit, dafür zu zahlen und sich an die Regeln der Behörden zu halten, um deren Mitglied zu bleiben, sagte sie. "Wir wollen keine Einführung von Zöllen oder Beschränkungen sehen."

Eine harte Grenze zu Irland will sie verhindern

Gleichzeitig solle Großbritannien seine eigenen Handelsverträge mit Drittländern abschließen können. Eine Mitgliedschaft in der Zollunion schloss die britische Regierungschefin aus. Stattdessen wolle sie ein Zollabkommen mit der EU abschließen, das Grenzkontrollen überflüssig mache, sagte May. Möglich sein solle das durch technologische Lösungen und auf Vertrauen basierende Abmachungen.

Zugleich mahnte die Premierministerin, Großbritannien müsse "die Spannung zwischen einigen unserer Hauptziele" auflösen. "Ich will ehrlich zu den Menschen sein, denn die Realität ist, dass wir alle uns einigen harten Fakten stellen müssen", sagte sie. Mit dem für März 2019 geplanten Austritt aus der EU verlasse das Vereinigte Königreich auch den europäischen Binnenmarkt. Dadurch werde das "Leben anders", sagte May.

Bei den Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien ist auch umstritten, was nach dem Brexit mit Nordirland passiert. Noch am Mittwoch hatte sich May verärgert gezeigt über den Vorschlag des EU-Chefunterhändlers Michel Barnier. Dieser hatte vorgeschlagen, Nordirland notfalls de facto im EU-Binnenmarkt und der Zollunion zu belassen. May sagte, der von der EU vorgelegte Vertragsentwurf würde "den gemeinsamen britischen Markt untergraben und die verfassungsmäßige Integrität des Vereinigten Königreichs bedrohen". Kein britischer Premierminister könnte dem jemals zustimmen.

Keiner kann alles bekommen, was er will

In ihrer Grundsatzrede am Freitag sagte May, durch den Brexit dürfe der Friedensprozess in Nordirland nicht gefährdet werden. Es liege in der Verantwortung Großbritanniens und der EU, eine harte Grenze zu Irland zu verhindern. Jede Regelung, die zu einer solchen Grenze oder zu Zollkontrollen zwischen Nordirland und dem restlichen Großbritannien führe, sei inakzeptabel.

Keine der beiden Seiten könne alles bekommen, was sie wolle, sagte May, aber sie sei sicher, dass eine Einigung möglich sei.