Der katalanische Parlamentspräsident Roger Torrent hat auf die Festnahme seines Vorgängers mit einer Attacke gegen die Zentralregierung von Mariano Rajoy in Madrid reagiert. Diese greife "das Herz der Demokratie an, indem sie gegen politische Gegner vorgeht", sagte Torrent am Sonntagabend in Barcelona.

Katalonien werde als "Labor für die Verfolgung" von Dissidenten an anderen Orten missbraucht. Mit Blick auf die Festnahme Puidgemonts sagte Torrent weiter, "der Durst nach Rache der staatlichen Macht ist unstillbar".

Die Anhänger der Separatisten, die zu Tausenden auf den Straßen Barcelonas demonstrierten, schwor er auf Einheit ein. Diese sollten eine "breite soziale und demokratische Front zur Verteidigung der Rechte und Freiheiten" der Region bilden. Der Front sollten sich politische Parteien, Gewerkschaften und zivile Gruppen anschließen.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hielt sich am Sonntagabend mit einer politischen Bewertung zurück. In der ARD-Sendung Bericht aus Berlin betonte sie, zunächst liege dieses Verfahren in den Händen der schleswig-holsteinischen Behörden. "Die ersten Schritte sind jetzt erst mal rein juristische und die gilt es jetzt erst mal abzuwarten."

CDU-Europaabgeordneter Brok fordert Auslieferung

Nach Ansicht des CDU-Europaabgeordneten Elmar Brok sollte sich Puigdemont in Spanien vor Gericht verantworten. "Puigdemont hat eindeutig gegen spanisches Recht und gegen die Verfassung verstoßen", sagte Brok der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Ihm ist zu raten, die Sache friedlich zu beenden." Brok forderte die Katalanen auf, ihre Autonomiebestrebungen zu begraben. "Ich würde den Katalanen raten, ihr Streben nach Unabhängigkeit aufzugeben, denn es ist völlig aussichtslos." Stattdessen sollten Madrid und Barcelona über Verbesserungen des katalonischen Autonomiestatus verhandeln.

Dagegen forderte die Linke eine sofortige Freilassung Puigdemonts. "Dialog ist das Gebot der Stunde, Puigdemont sollte auf freien Fuß kommen", sagte der Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch der Deutschen Presse-Agentur. Der europapolitische Sprecher der Linksfraktion, Andrej Hunko, nannte die Festnahme eine "Schande": "Die Strafverfolgung ist ganz offensichtlich politisch motiviert."

Die Grünen forderten Verhandlungen der spanischen Regierung mit Katalonien unter Beteiligung Brüssels. "Der Fall zeigt: Es ist höchste Zeit, dass in Spanien ein politischer Ausweg gefunden wird", sagte die europapolitische Sprecherin der Grünenfraktion, Franziska Brantner. Die Bundesregierung solle sich für eine Vermittlung der EU-Kommission einsetzen.

Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff forderte eine zügige Stellungnahme der Bundesregierung. "Rechtlich ist die Verhaftung von Herrn Puigdemont nicht zu beanstanden, politisch aber schafft sie große Probleme", sagte er der Augsburger Allgemeinen.

Fünf Monate nach seiner Flucht aus Spanien war Puigdemont am Sonntag von der deutschen Polizei festgenommen worden. Die spanische Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, sie stehe in Kontakt mit ihren deutschen Amtskollegen, um eine Auslieferung Puigdemonts zu erwirken. In Spanien droht dem katalanischen Toppolitiker wegen Vorwürfen der Rebellion und anderer Vergehen jahrzehntelange Haft.