Zur Aufarbeitung des Facebook-Datenskandals wollen europäische Grünen-Politiker Vertreter von Facebook und Cambridge Analytica zu einer Anhörung im EU-Parlament einladen. Außerdem habe man beantragt, dass der Ausschuss für Konstitutionelle Fragen den Informanten Christopher Wylie anhört, teilte der deutsche Abgeordnete Sven Giegold mit. So solle der Einfluss der Datenaffäre auf das Ergebnis des Brexit-Referendums untersucht werden.

"Der Facebook-Skandal geht direkt ins Herz der Demokratie", sagte Giegold. "Sollte klar werden, dass illegale Methoden von Cambridge Analytica den Ausgang des Brexit-Referendums beeinflusst haben, ist die Legitimität der Abstimmung infrage gestellt."

Vor einer guten Woche war bekannt geworden, dass die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica sich unerlaubt Zugang zu Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern verschafft hat. Mit Hilfe dieser Daten sollen Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump gezielt mit Wahlwerbung beeinflusst worden sein. Wylie hatte als ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica den Fall an die Öffentlichkeit gebracht. Einem Bericht des britischen Observer zufolge hat diese Wahlwerbung über Umwege auch beim Brexit-Referendum eine Rolle gespielt.

Nach Angaben Wylies habe die britische Kommunikationsfirma Cambridge Analytica eine "ausschlaggebende Rolle" beim Brexit gespielt. Ohne die Firma und ihre kanadische Schwesterfirma Aggregate IQ sei das Votum der Briten für den EU-Ausstieg "niemals möglich" gewesen, sagte Wylie der französischen Zeitung Libération, der Welt und anderen europäischen Zeitungen.

Whistleblower belastet "Vote Leave"-Kampagne

Wylie wirft der Pro-Brexit-Kampagne Vote Leave um den heutigen britischen Außenminister Boris Johnson vor, vor dem Referendum 2016 deutlich mehr Geld in Datenanalysen und gezielte Werbung investiert zu haben, als die britischen Wahlkampfregeln erlauben. Dem Kanadier zufolge wurden umgerechnet rund 700.000 Euro über Umwege an Aggregate IQ gezahlt. Diese Extra-Summe könne eine "ausschlaggebende Rolle für das Brexit-Votum gespielt haben". Schließlich habe das Pro-Brexit-Lager nur mit zwei Prozentpunkten Abstand gewonnen.

Cambridge Analytica soll auch die Profil-Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern abgefischt haben, um für die Kampagne des heutigen US-Präsidenten Donald Trump Wählerentscheidungen vorauszusagen und zu beeinflussen. 

Facebook steht wegen des Datenskandals in den USA wie auch in Europa unter massivem politischen Druck. Facebook-Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich am Dienstag mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen bei den deutschen Facebook-Nutzern für den Skandal.

In Großbritannien holten sich Abgeordnete, die einen Auftritt von Facebook-Chef Mark Zuckerberg verlangt hatten, unterdessen eine Abfuhr. Das Unternehmen teilte mit, statt Zuckerberg werde entweder Technologiechef Mike Schroepfer oder Produktchef Chris Cox vor dem Parlamentsausschuss Digitales auftreten. 

Der Ausschussvorsitzende Damian Collins nannte dies "erstaunlich". Die Abgeordneten würden gern Zuckerberg persönlich befragen, vielleicht sei dies auch über eine Videoleitung möglich. Dabei sind nicht nur britische Abgeordnete an einem Auftritt Zuckerbergs interessiert: Der Justizausschuss des US-Senats hat ihn neben den Chefs des Google-Mutterkonzerns Alphabet und des Kurznachrichtendienstes Twitter für den 10. April eingeladen.