Im Fall des in London vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal hat Großbritannien offenbar in einmaliger Weise Geheimdienstinformationen mit seinen Verbündeten geteilt. Die britische Regierung habe ihren Partnern "Geheiminformationen von nie da gewesenem Niveau" übermittelt, teilte ein hochrangiger Regierungsvertreter in London mit. Das sei Grundlage der vielen Ausweisungen russischer Diplomaten aus mehreren westlichen Staaten.

Als Reaktion auf den Giftanschlag auf Skripal hatte zuletzt die Nato sieben russischen Diplomaten die Akkreditierung entzogen. Zuvor wiesen mehr als 20 Länder, darunter Deutschland und die USA, russische Diplomaten aus ihren Staaten aus. Insgesamt waren fast 150 Russen betroffen, 23 allein in Großbritannien.

Für den britischen Außenminister Boris Johnson sind die Ausweisungen "ein Wendepunkt" in den Beziehungen des Westens zu Russland. In der Zeitung The Times schrieb er, es handele sich um einen Schlag, von dem sich der russische Geheimdienst "viele Jahre nicht erholen" werde.

Die britische Regierung und ihre westlichen Verbündeten machen die Regierung in Moskau für den Angriff auf Skripal und seine Tochter Julija am 4. März im englischen Salisbury verantwortlich. Beide liegen derzeit in einem lebensbedrohlichen Zustand im Krankenhaus. Ein Indiz für die Urheberschaft Russlands ist, dass das verwendete Gift in Russland hergestellt wurde. 

Russland weist die Vorwürfe zurück. Außenminister Sergej Lawrow kritisierte, die Ausweisungen seien das "Ergebnis kolossalen Drucks, kolossaler Erpressung" seitens der USA. Zugleich kündigte er eine Reaktion seines Landes auf die Ausweisungen an.

May warnt potenzielle Angreifer

Die Regierung in London droht indes potenziellen Angreifern mit umfassenden Maßnahmen. In einem Bericht zur Untersuchung der Sicherheitslage im Land, den Premierministerin Theresa May am heutigen Mittwoch vorgestellt wird, heißt es, Großbritannien werde dafür alle zur Verfügung stehenden Ressourcen einsetzen.

Wie aus vorab veröffentlichten Auszügen hervorgeht, gehören dazu nicht nur die Polizei, Geheimdienste und das Militär, sondern auch wirtschaftliche Hebel und der politische Einfluss des Landes. Laut Premier May bleibt die Gefahr islamistischer Anschläge mindestens in den nächsten zwei Jahren noch hoch. 

Korrektur: In einer ersten Fassung der Meldung war von dem "getöteten Ex-Spion Skripal" die Rede. Wir haben diesen Fehler korrigiert. Skripal wurde vergiftet, aber nicht getötet.