Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy ist in Polizeigewahrsam genommen worden. Justizkreise bestätigten, dass Sarkozy im Pariser Vorort Nanterre von Antikorruptionsermittlern vernommen wird. Es geht um Vorwürfe, wonach Sarkozys Wahlkampf 2007 von Libyen mitfinanziert worden sein soll. Die französische Staatsanwaltschaft war ebenso wie Sarkozys Anwalt zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Offen blieb zunächst, wie lange die Anhörung dauern sollte. Laut der Zeitung Le Monde kann Sarkozy nach französischem Recht bis zu 48 Stunden festgehalten werden.

Es ist das erste Mal, dass der frühere Staatschef zu dem Verdacht befragt wird, wonach die libysche Regierung ihm im Präsidentschaftswahlkampf half. Untersuchungsrichter ermitteln bereits seit fünf Jahren, ob Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf 2007 von Libyens damaligem Machthaber Muammar al-Gaddafi mitfinanziert wurde – und zwar in Höhe von mindestens 50 Millionen Euro.  Ein Geschäftsmann hatte dem Nachrichtenportal Mediapart in diesem Zusammenhang gesagt, er habe Ende 2006 oder Anfang 2007 mehrere – vom libyschen Regime vorbereitete – Koffer mit insgesamt fünf Millionen Euro ins französische Innenministerium gebracht. Sarkozy war damals Innenminister. Noch als Präsident nannte Sarkozy die Vorwürfe "grotesk".

Kurz nach der Übernahme des Präsidentenamts 2007 hatte Sarkozy Gaddafi zu einem Staatsbesuch nach Frankreich eingeladen und mit hohen Ehren empfangen. Wenige Jahre später war Frankreich unter Sarkozy maßgeblich an den Nato-Luftangriffen gegen das libysche Regime beteiligt. Mithilfe der Nato-Luftangriffe konnten libysche Rebellenkämpfer Gaddafi 2011 stürzen. Wenig später wurde der Machthaber ermordet.

Am Dienstag befragten die Ermittler nach Informationen von AFP auch den engen Sarkozy-Vertrauten und Ex-Minister Brice Hortefeux an. Hortefeux sei aber nicht in Gewahrsam genommen worden.

Premierminister Édouard Philippe lehnte es ab, das Vorgehen der Justiz zu kommentieren. Er habe mit Sarkozy gelegentlich "schwierige Beziehungen" gehabt, sagte der aus dem konservativen Lager stammende Philippe dem Fernsehsender BFM TV. 

Auch Sarkozys zweiter Wahlkampf wird untersucht

Der konservative Politiker Sarkozy war von 2007 bis 2012 französischer Präsident. Auch die Finanzierung seines zweiten Wahlkampfs wird von der Justiz untersucht: Dazu hatte die Staatsanwaltschaft bereits im Februar 2016 ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet. Für seinen Präsidentschaftswahlkampf 2012 soll Sarkozy die zulässige Budgetobergrenze von 22,5 Millionen Euro massiv überschritten haben. Nach Darstellung der Ermittler wurden für die Kampagne Sarkozys mindestens 42,8 Millionen Euro ausgegeben. Um das zu verbergen, soll die konservative Partei des damaligen Amtsinhabers über ein System falscher Rechnungen rechtswidrig Wahlkampfkosten in Millionenhöhe übernommen haben. Sarkozy hatte damals bestritten, von den Vorgängen gewusst zu haben. 

In der Affäre hatte der Untersuchungsrichter Serge Tournaire ein Strafverfahren gegen 13 weitere Beschuldigte angeordnet. Darunter sind frühere Parteifunktionäre, Wahlkampforganisatoren und Mitarbeiter des PR-Unternehmens Bygmalion. Eine Tochterfirma von Bygmalion hatte die Wahlkampfveranstaltungen für Sarkozy organisiert, der Vorgang wurde deswegen als Bygmalion-Affäre bekannt. Die Angeklagten können noch Rechtsmittel gegen einen Prozess einlegen.