Die Vorsitzende der französischen rechtsextremen Partei Front National (FN), Marine Le Pen, ist mit 100 Prozent der Stimmen in ihrem Amt bestätigt worden. Das gab das Präsidium des FN am Sonntag während eines Parteikongresses in Lille bekannt. Die Wahl hatte schriftlich unter allen etwa 51.000 Parteimitgliedern stattgefunden. Mehr als 27.000 Mitglieder hatten abgestimmt, Le Pen war allerdings die einzige Kandidatin auf dem Stimmzettel. Die Ergebnisse der Abstimmung wurden nicht notariell bestätigt. 2,87 Prozent der Stimmen waren ungültig. Es ist Le Pens dritte Amtszeit als Vorsitzende.

Gleichzeitig beschlossen die in Lille 1.500 anwesenden Delegierten des FN mit 79,7 Prozent Zustimmung ein neues Parteistatut, durch das Marine Le Pens Vater, Jean-Marie Le Pen, den Ehrenvorsitz der Partei verliert. Jean-Marie Le Pen hatte 1972 den FN gegründet. Er war bereits 2015 wegen wiederholter antisemitischer Äußerungen aus der Partei ausgeschlossen worden, hatte aber das Amt des Ehrenvorsitzenden weiter inne gehabt. Außerdem wählten die Mitglieder einen aus 100 Abgeordneten bestehenden Nationalrat, der eine Art innerparteiliches Parlament abbilden soll.

Le Pen will den FN umbenennen

52 Prozent der Mitglieder hätten sich in der schriftlichen Abstimmung, in der Le Pen in ihrem Amt bestätigt wurde, laut Le Pen außerdem für eine Umbenennung der Partei ausgesprochen. Es wird erwartet, dass Le Pen noch am Sonntag einen neuen Namen für den Front National vorstellt. Er soll den durch das Wort "Front" enthaltenen militärischen Klang verlieren.

Bereits am Samstag war Steve Bannon, der frühere Chefstratege des US-Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus, auf dem Parteitag aufgetreten. Bannon hatte sagt, der FN sei "Teil einer weltweiten Bewegung, die größer ist als Frankreich, größer als Italien, größer als Ungarn, größer als all das".

Marine Le Pen war im Mai 2017 dem liberalen Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron in der Stichwahl unterlegen und hatte danach einen Umbau der Partei angekündigt. Le Pen möchte den FN noch gesellschaftsfähiger machen. Ihr Vater, der der Partei bis 2011 vorsaß, hatte den FN als rechtsradikale und zum Teil antisemitische Partei groß gemacht. Sein größter Erfolg war es gewesen, 2002 gegen Jacques Chirac in die Stichwahl für die Präsidentschaftswahl einzuziehen. Auch er hatte damals weit abgeschlagen verloren.