Spezialkräfte der französischen Polizei haben eine Geiselnahme in einem Supermarkt in Südfrankreich beendet. Der Täter sei erschossen worden, sagte der französische Innenminister Gérard Collomb. Die Geiselnahme hatte am Vormittag in Trèbes zehn Kilometer östlich von Carcassonne begonnen. Der Geiselnehmer habe dort zwei Menschen erschossen. Zuvor habe er einen weiteren Menschen in Carcassonne getötet und zwei verletzt, sagte der Innenminister.

Bei dem Täter handele sich um einen 25-Jährigen, der der Polizei wegen kleinerer Delikte bekannt gewesen sei. "Wir haben ihn beobachtet. Wir dachten, dass es keine Radikalisierung gibt. Er ist plötzlich zur Tat geschritten, obwohl er schon überwacht wurde", sagte Collomb. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bekannte sich der Täter zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Eine enge Bekannte des Angreifers wurde später festgenommen.

Geiselnahme in Trèbes

Staatspräsident Emmanuel Macron sagte am Abend in Paris: "Unser Land hat einen islamistischen Terroranschlag erlitten." Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus sowie wegen Freiheitsberaubung ein. Die Behörde ist in Frankreich zentral für alle Terrorfälle im Land zuständig.

France Info und der Figaro berichteten übereinstimmend, dass der Geiselnehmer die Freilassung von Salah Abdeslam gefordert haben soll. Abdeslam ist der einzige noch lebende Attentäter der Anschläge von Paris vom 13. November 2015, er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft. Eine offizielle Bestätigung der Information gab es nicht.

Polizist ließ sich gegen Geisel austauschen

Die Nachrichtenagentur AFP und mehrere französische Medien berichteten, den meisten Kunden und Angestellten des Geschäfts Super U sei die Flucht gelungen. Der Innenminister sagte, zuletzt habe sich ein Polizist in der Gewalt des Geiselnehmers befunden, der sich freiwillig gegen eine Geisel habe austauschen lassen. Der Beamte habe sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte. Als Schüsse fielen, seien sie eingeschritten. Dabei sei der Geiselnehmer gestorben. Der Polizist wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Vor der Geiselnahme habe der Täter in Carcassonne einen Mann erschossen und einen weiteren schwer verletzt, um deren Auto zu stehlen, sagte Innenminister Collomb. Anschließend habe er das Feuer auf eine Gruppe von Bereitschaftspolizisten eröffnet. Dabei sei ein Beamter an der Schulter verletzt worden. Anschließend sei der Angreifer in den 5.500-Einwohner-Ort Trèbes gefahren, habe den Supermarkt betreten, sofort geschossen und zwei weitere Menschen getötet, so Collomb. Der Mann hat laut des Ministers allein gehandelt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich bestürzt über die Geiselnahme. "Wir sind natürlich bei den Betroffenen und Angehörigen und sprechen ihnen aus vollem Herzen unsere Anteilnahme aus", sagte Merkel zum Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel. "Wir stehen, wenn es um terroristische Bedrohungen geht, natürlich an der Seite Frankreichs, und wo immer wir helfen und unterstützen können, werden wir das tun."

Auch Israel erklärte sich solidarisch mit Frankreich. "Ich verurteile den jüngsten Terroranschlag durch einen IS-Terroristen in Frankreich aufs Schärfste", twitterte die stellvertretende israelische Außenministerin Zipi Chotoveli. "Israel und Frankreich teilen die Werte der Freiheit und arbeiten im weltweiten Kampf gegen Terror zusammen."

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge, unter anderem in Paris und Nizza. Die Behörden warnen regelmäßig vor einer anhaltend hohen Gefahr, in den vergangenen Monaten war es aber ruhig geblieben. Zuletzt hatte im Oktober ein Angreifer in Marseille zwei Frauen erstochen, der IS hatte die Tat für sich reklamiert.