Russische Behörden haben Großbritannien offiziell um Einblick in die Ermittlungen zu dem Giftanschlag auf Julija Skripal gebeten. Die Tochter des Ex-Agenten Sergej Skripal sei russische Staatsbürgerin, hieß es in einer Mitteilung des staatlichen Ermittlungskomitees. Die britischen Behörden wurden aufgefordert, Kopien ihrer Akten zu dem Mordanschlag auf Vater und Tochter von Anfang März zu übermitteln.

Großbritannien macht Russland für die Attacke auf Skripal und seine Tochter verantwortlich, was Russland bestreitet. Der Angriff wurde nach derzeitigen Erkenntnissen mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok verübt. Der ehemalige russische Doppelagent und seine Tochter waren der Polizei zufolge an ihrer Haustür in Salisbury vergiftet worden. Britische Spezialisten hätten dort die höchste Konzentration des Nervengiftes gefunden, teilte die britische Antiterroreinheit mit. Einem BBC-Bericht zufolge soll das Gift an der Türklinke gewesen sein, möglicherweise in Form einer klebrigen Masse, die jemand dort hingeschmiert haben könnte.

Passanten hatten den 66-jährigen Skripal und seine 33-jährige Tochter am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der Stadt gefunden. Sie werden seither in einem Krankenhaus behandelt und befinden sich in kritischem, aber stabilem Zustand.

Als Reaktion auf den Anschlag hatten weltweit 26 Staaten insgesamt mehr als 140 russische Diplomaten ausgewiesen, darunter auch Deutschland, Frankreich und die USA. Zudem hat die Nato sieben russische Diplomaten ausgewiesen. Im Gegenzug verwies Russland britische Diplomaten des Landes und kündigte weitere Gegenmaßnahmen an. Angeblich erwägt die russische Regierung die Schließung des US-Generalkonsulats in St. Petersburg. Das berichtete die Zeitung Iswestija unter Berufung auf Quellen im russischen Außenministerium. 

Auch Georgien hat als Reaktion auf den Fall jetzt einen russischen Diplomaten ausgewiesen. Das Land wolle damit seine Solidarität ausdrücken, teilte das Außenministerium in Tiflis mit. Daher müsse ein Mitarbeiter der russischen Interessenvertretung das Land binnen sieben Tagen verlassen.  

Am Mittwoch hatte das Außenministerium in Moskau den britischen Geheimdienst für die Attacke auf Skripal verantwortlich gemacht.