Es blieb nicht einmal mehr Zeit für ein Schlusswort an die Presse. So lange sprach Außenminister Heiko Maas (SPD) bei seinem Antrittsbesuch in Israel mit Premierminister Benjamin Netanjahu, dass er und sein Stab sich beeilen mussten, noch rechtzeitig zum Flughafen zu kommen. Auf seiner Reise hat der neue deutsche Chefdiplomat verschiedene Signale gesetzt.

Die Freundschaft mit Israel ist Maas persönlich wie politisch ein ehrliches Anliegen. Ausgangspunkt dafür ist das Gedenken an die Schoah. In seiner Antrittsrede im Berliner Außenamt hatte der neue Minister gesagt, er sei "wegen Auschwitz in die Politik gegangen". In Jerusalem erklärte er, was er damit meinte. Bei einem Treffen mit Überlebenden der Schoah erzählte der 51-Jährige, wie er als Schüler zuerst von den Verbrechen gehört, sie aber nicht wirklich habe begreifen können. Er habe dann in seiner eigenen Familie nach der Vergangenheit gefragt. "Ich habe nach einem Widerstandskämpfer in meiner Familie gesucht, aber ich habe keinen gefunden. Es waren alles Mitläufer", sagte Maas.

Schon am Tag zuvor hatte Maas die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem besucht. Er war dabei von Charlotte Knobloch begleitet worden, der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden und selbst Überlebende des Holocaust. Ins Gästebuch von Yad Vashem schrieb Maas, die Schoah bleibe Mahnung und Auftrag. "Jeder Form von Antisemitismus und Rassismus müssen wir uns entschieden entgegenstellen – überall und jeden Tag."

Neuer Grundton für die Beziehungen

Maas' Gesten und Worte wurden in Israel sehr wohlwollend aufgenommen. Als der neue Außenminister später auf Premier Netanjahu traf, sagte der, Maas' Worte zur Schoah und zum Antisemitismus "haben unsere Herzen erreicht" und "uns bewegt". Maas sagte, er empfinde es als ein "unverdientes Geschenk", als deutscher Minister in Israel so herzlich empfangen zu werden. Deutschland stehe "immer an der Seite Israels".

Auch Maas' Vorgänger im Auswärtigen Amt hatten zu deutsch-israelischen Freundschaft schon bewegende Worte gefunden. Doch der Neue machte besonders deutlich, dass ihm ein gutes Verhältnis wichtig ist. Damit legt er einen neuen Grundton in die Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Zuletzt war das Verhältnis zwischen der Bundesregierung und der israelischen Regierung abgekühlt. Kanzlerin Angela Merkel hatte erst vergangenes Jahr die Regierungskonsultationen mit Israel ausgesetzt, wohl aus Verärgerung über Israels Siedlungspolitik. Israels Premier Netanjahu wiederum ließ ein Treffen mit dem damaligen Außenminister Sigmar Gabriel kurzfristig platzen, weil der sich bei seinem Besuch in Israel auch mit Organisationen traf, die die Siedlungspolitik im Westjordanland sehr kritisch sehen. Maas kündigte nun Regierungskonsultationen für den Herbst an.

In seinen Botschaften zu aktuellen politischen Fragen blieb der Außenminister allerdings ausgesprochen vage. Am Montag besuchte Maas zunächst den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas in Ramallah. In einer Pressekonferenz mit dem palästinensischen Außenamtskollegen Riyad al-Maliki erwähnte Maas, Deutschland halte an seiner Unterstützung für eine Zweistaatenlösung fest. Er sagte aber auch, dass er in seinen bisherigen Gesprächen in Israel mit "unterschiedlichen Alternativen" konfrontiert worden sei. "Die einen reden über eine Einstaatenlösung. Teilweise ist auch gar nicht mehr von einem Staat die Rede." Maas sagte weiter: "Es wird hier vor Ort in den palästinensischen Gebieten und in den israelischen eine gesellschaftliche Mehrheit geben müssen. Ich stelle hier aber fest, das ist nicht einfacher geworden."