Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, will Ministerpräsident Italiens werden. Der 64-jährige Italiener dankte auf Twitter Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi für dessen "Geste der Hochachtung". Berlusconi hatte sich für Tajani als Regierungschef ausgesprochen, sollte sein Mitte-rechts-Bündnis die Parlamentswahl am kommenden Sonntag gewinnen. "Ich habe ihm heute Abend meine Bereitschaft erklärt, Italien zu dienen", schrieb Tajani.

Berlusconi reagierte erfreut. "Ich weiß, es ist eine Schande, Antonio Tajani Europa wegzunehmen. Aber es ist im Interesse Italiens." Tajani ist einer der treuesten Weggefährten des 81-jährigen Berlusconi und hat mit ihm 1994 die Partei Forza Italia gegründet. Berlusconi selbst darf als verurteilter Steuerhinterzieher bis 2019 kein öffentliches Amt bekleiden – dagegen klagt er vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Er musste 2011 nach dem sogenannten Bunga-Bunga-Sexskandal und der Ruby-Affäre zurücktreten, bei der es um den Vorwurf der Beihilfe zur Prostitution von Minderjährigen sowie Amtsmissbrauch ging. 

Tajani war im Januar 2017 nach dem Rückzug von Martin Schulz EU-Parlamentspräsident geworden. Er gilt als Politiker, der den Konsens sucht. In Brüssel rechnen viele damit, dass Tajani das Amt aufgibt, sollte es zu einer Mitte-rechts-Regierung in Italien kommen und er das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen.

Etwa 51 Millionen Menschen sind in Italien aufgerufen, über ein neues Parlament abzustimmen. Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung ist in Umfragen stärkste Einzelkraft, mit 28 Prozent aber weit von der Mehrheit entfernt. Die Sozialdemokraten mit ihrem Chef Matteo Renzi, die mit Paolo Gentiloni den Regierungschef stellen, müssen sich auf Verluste gefasst machen. Wegen des neuen italienischen Wahlrechts müssen Parteien oder Bündnisse auf etwa 42 Prozent kommen, um regieren zu können. Da das laut Umfragen derzeit niemand schafft, wird mit einer schwierigen Regierungsbildung gerechnet, an deren Ende gar eine Neuwahl stehen könnte.