Vor der Parlamentswahl in Italien hat das Münchner Ifo-Institut vor einer Schuldenkrise des Landes gewarnt, die sich auf die ganze EU auswirken könne. "Es droht ein weiterer schleichender Anstieg der Staatsverschuldung bei stagnierender Wirtschaft, der langfristig doch in eine Staatspleite führen könnte", zitierte das Handelsblatt den Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest.

Mit ihrem Programm zum gezielten Kauf von Staatsanleihen unter Druck geratener Staaten habe die Europäische Zentralbank (EZB) Italien Zeit für Reformen verschafft. Diese Zeit habe das Land aber nicht genutzt, monierte der Ifo-Chef. Er forderte die Euroländer daher auf, jetzt Vorkehrungen zu treffen, "dass diese Staatspleite auf Kosten der Gläubiger des italienischen Staates gehen würde, nicht auf Kosten der Steuerzahler im Rest der Eurozone".

Wahlversprechen statt Sparprogramm

Fuest begründetet seine Sorge vor einer Staatspleite damit, dass keine der Parteien in Italien ein Konzept zur Überwindung der ökonomischen Probleme des Landes habe. "Italien braucht tiefgreifende Reformen und eine Senkung der Staatsausgaben, damit die Wirtschaft wieder wächst und die sehr hohen Staatsschulden sinken", betonte der Ifo-Chef. Statt einem solchen Plan hätten die Parteien vor dem Urnengang am Sonntag "große Wahlgeschenke" versprochen.

So hatte Silvio Berlusconi alten Menschen beispielsweise steuerfreies Hundefutter und kostenlose Besuche beim Tierarzt versprochen. Matteo Renzi warb mit einer Erhöhung des Kindergeldes und massiven Steuererleichterungen für Unternehmer.

Gleichwohl erwarte er nach der Parlamentswahl keine Turbulenzen an den Kapitalmärkten, egal wer gewinne, fügte Fuest an. Schließlich hätten alle Parteien ihre Kritik am Euro und an den Schuldenregeln zurückgenommen, und keine Partei habe gefordert, dass Italien in nächster Zeit aus dem Euro austreten solle. Das Ifo-Institut der Universität München ist eines der größten Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands, das sich mit der Analyse der Wirtschaftspolitik beschäftigt.

In Italien sind am Sonntag gut 50 Millionen Bürger zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Wer die künftige Regierung stellen wird, ist offen. In der EU herrscht Sorge vor einer möglichen politischen Lähmung Italiens, sollte das Wahlergebnis eine Regierungsbildung schwierig machen. Das Land ist die drittgrößte Volkswirtschaft in der Europäischen Union.