Vor drei Jahren rief mich eine Freundin aus Mailand an. Sie habe einen Bekannten aus Kalabrien, der nach Deutschland auswandern wolle. Ob ich ihm helfen könne? Wenige Tage später stand R. vor mir, ein großer, kräftiger Mann von 42 Jahren. Ich war überrascht, denn ich hatte einen jungen Menschen erwartet, irgendwo zwischen 20 und 25. In einem Alter also, in dem man auswandert, weil man noch genügend Zeit und Kraft hat, um einen Neuanfang in einem fremden Land zu versuchen. R. sprach kein Wort Deutsch. Er hatte eine Frau und drei Kinder im Alter von zehn, acht und zwei Jahren. Außerdem übte er einen Beruf aus, mit dem es, zurückhaltend gesagt, nicht einfach ist, eine fünfköpfige Familie zu ernähren. Es musste sehr schlecht um das Land stehen, wenn ein Familienvater in diesem Alter samt Frau und Kindern emigriert.

Dabei ging damals, im Februar 2015, ein Ruck durch Italien. Ein junger, forscher Mann war an der Regierung. Matteo Renzi war 2014 in das Amt gekommen, gerade mal 36 Jahre alt. Noch nie hatte Italien einen so jungen Ministerpräsidenten gehabt. Mit Renzi schien eine neue Generation zu übernehmen. Weltgewandte, offene, gut ausgebildete Leute wie Federica Mogherini waren darunter – Renzi ernannte sie zur Außenministerin. Die italienische Gerontokratie schien abgetreten zu sein. Italien zeigte ein neues, frisches, ungewohntes Gesicht. In den Brüsseler Institutionen registrierte man das mit Erleichterung. Die Ernennung Mogherinis zur Chefin des EU-Außenamtes war auch ein Zeichen: Das neue Italien war in der EU sehr willkommen.

Renzi hatte eine sehr gute Presse, besonders im Ausland. Endlich schien da einer zu sein, der das riesige Potenzial dieses wunderbaren Landes ausschöpfen und das Siechtum der Ära Silvio Berlusconis beenden konnte. Zwanzig lange Jahre hatte sie gedauert. Es waren zwanzig Jahre der fortschreitenden Entfremdung zwischen der EU und Italien. Je länger Berlusconi regierte, desto weiter entfernte sich Rom von Brüssel. Wenn es in Italien in diesen Jahren überhaupt noch eine europapolitische Debatte gab, drehte sie sich ums Geld. Es ging um drei Prozent Haushaltsdefizit, die laut Maastrichter Vertrag jedem Land maximal erlaubt sind. Brüssel drängte Italien zum Einhalten dieser Regel, Rom nannte tausend Gründe, warum sie nicht eingehalten werden konnten. Mal war es die massive Zuwanderung, mal war es ein verheerendes Erbeben, mal war es die Massenarbeitslosigkeit. Rom bat um Geduld und forderte Hilfe, Brüssel drängte. Und so ging es jahrelang hin und her. Impulse für Europa aus Rom? Ideen? Projekte? Fehlanzeige.

Renzi nun wollte Italien wieder nach Europa führen. Das Land, so sagte er, sollte in Brüssel wieder ernst genommen werden. Im Mai 2014 kam Renzis Partito Democratico (PD) bei den Wahlen zum Europaparlament auf sagenhafte 40 Prozent. Keine andere Partei in Europa hatte im eigenen Land so viel Zustimmung erreicht. Renzi hatte das Mandat, das Land von Grund auf zu reformieren – und er konnte in den Brüsseler Institutionen selbstbewusst auftreten, was er auch tat.

"Vergiss es. Das wird nichts!"

Der Emigrant R., mein neu gewonnener Freund, ließ sich in der Nähe von Hamburg nieder und begann sich einzurichten. Einige Monate nach seiner Ankunft holte er seine Familie nach und zog in ein bescheidenes Reihenhäuschen. Es war alles andere als einfach. Die Kinder mussten eine neue Sprache lernen und wurden gleichzeitig von heftigem Heimweh geplagt. Ihre vielen Cousins und Cousinen, Tanten und Onkel, die Großmutter, sie fehlten ihnen, und natürlich die Sonne, das Licht und das Meer. Sie schlugen sich aber tapfer. Mochte Renzi sagen, was er wollte, R. hatte sein Heimatland aufgegeben. Er war damit nicht allein: 2015 wanderten 102.000 Italienerinnen und Italiener aus, um im Ausland eine Zukunft zu finden. Darunter waren sehr viele gut ausgebildete, junge Menschen. Die meisten zogen nach Großbritannien und Deutschland. Wenn ich R. sagte, dass Renzi doch viel Richtiges anpacken wollte, Reform des Arbeitsmarktes, Reform der Verwaltung, Reform der Schule, Reform der Verfassung, dann winkte er ab: "Vergiss es. Das wird nichts!"

Ich hielt ihn für einen unverbesserlichen Pessimisten. Ich glaubte, Italien zeige immer dann das Beste von sich, wenn es kurz vor dem Untergang steht. Erst dann mobilisiere es seine erstaunlichen Kräfte – nicht vorher. Das war meine Hoffnung. Und Europa, das dachte ich ebenfalls, brauchte ein starkes Italien, um voranzukommen. Immerhin war das Land Gründungsmitglied der Union, immerhin hatte es in der Nachkriegszeit herausragende Politiker hervorgebracht, die die Europäische Union entscheidend mitprägten. Altiero Spinelli zum Beispiel, der im faschistischen Kerker seine Visionen eines vereinten Europas zu Papier brachte und damit zu einem geistigen Gründungsvater der EU wurde, oder der Christdemokrat Alcide De Gasperi, der mit Entschlossenheit Aufbau und Gründung der EU vorantrieb. Faschismus, Krieg und nach 1945 eine der stärksten kommunistischen Parteien Europas – wie Deutschland musste auch Italien im Westen erst ankommen. So wie Konrad Adenauer für die Westbindung Deutschlands stand, so stand Alcide De Gasperi für die Westbindung Italiens. Das Land hatte freilich nie das Gewicht von Frankreich oder Deutschland erreicht. Trotzdem zählte es in Europa. "Italien wurde immer einbezogen", sagt der Historiker Gian Enrico Rusconi, ein Experte für deutsch-italienische Beziehungen und emeritierter Professor an der Universität Turin. "Man hörte Rom an und man hörte Rom zu."

Nachdem aber Silvio Berlusconi an die Macht gekommen war, begann Italien sich von Europa zu verabschieden, zunächst leise, dann aber immer lauter und schneller. Das war 1994. Ausgerechnet der Euro, der die EU eigentlich hätte enger zusammenbringen sollen, beschleunigte die wachsende Entfremdung von der Union. Aus den europäischen Hauptstädten schaute man mit einer Mischung aus Herablassung und Romantisierung über den Brenner. Italien war ein Sorgenkind, das Dinge tat, die schwer zu verstehen waren, das dabei aber immer charmant und anziehend blieb. Man liebte es, ernst nahm man es nicht, und man begann sich angesichts des angehäuften Schuldenberges langsam vor ihm zu fürchten.

Eine Zeitbombe mit sehr langer Lunte

Im Sommer 2016 bestimmten Hoffnungen und Sorgen zugleich den Blick auf Rom. Die Briten hatten am 23. Juni entschieden, die EU zu verlassen. Es war vom Zerfall der Union die Rede. Auch in Italien erhielten die euroskeptischen Kräfte Zulauf. Die Bewegung MoVimento 5 Stelle (M5S) von Beppe Grillo sprach von einem Referendum über den Euro, die Lega Nord attackierte Brüssel im Stil eines Viktor Orbán und die Rechte um Silvio Berlusconi pflegte ihr traditionell distanziert-opportunistisches Verhältnis zur EU.

In Italien schien nun die nächste große Richtungsentscheidung nach dem Brexit anzustehen. Renzi hatte eine grundlegende Verfassungsreform durch das Parlament gebracht. Sie sollte die Kosten des politischen Systems verringern und Entscheidungen beschleunigen. Das Referendum über die Verfassungsreform sollte ihn endgültig als unumstrittenen Gestalter der Zukunft des Landes legitimieren.

Angesichts der anschwellenden antieuropäischen Stimmung in allen europäischen Ländern maß man der Abstimmung in Italien existenzielle Bedeutung für die EU zu. Scheiterte Renzi, würde der Zerfall Europas nach dem Brexit wiederum ein Stück näher rücken. Und die nächsten Herausforderungen bahnten sich bereits an: die Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich. In beiden Fällen schien ein Sieg der EU-Gegner möglich. Ein Hauch von Hysterie lag in der Luft.

Renzi sprach wie ein Antieuropäer

Renzi und seine PD erschienen außerhalb Italiens plötzlich als die einzigen überzeugten Europäer des Landes. Es fehlte ihm auch nicht an symbolischer Unterstützung. Angela Merkel und der damalige französische Präsident François Hollande trafen sich im August 2016 mit Renzi auf der Insel Ventotene. Dort hatte Altiero Spinelli 1941 im faschistischen Gefängnis sein Manifest geschrieben. Die Inszenierung war ganz nach Renzis Geschmack: links Merkel, rechts Hollande, in der Mitte er. "Ich habe Italien wieder zu einer respektierten Nation in Europa gemacht" – das war die implizite Botschaft. Doch Renzi kämpfte nicht für Europa, er kämpfte vor allem für sich selbst. Wenn er sich einen Vorteil davon versprach, schimpfte er wie ein Rohrspatz auf die EU. Er hatte keine Skrupel, bei Auftritten die Europafahne abzuhängen, sich vor einem Spalier italienischer Fahnen zu präsentieren und vom Interesse der Nation zu schwadronieren. Man werde in Brüssel auf den Tisch hauen. Man wolle dort gehört und respektiert werden. Renzis Sprache war manchmal kaum zu unterscheiden von der eines überzeugten Antieuropäers.

Es half alles nichts. Am 4. Dezember 2016 verlor Renzi das Referendum über seine Verfassungsreform mit 16 Prozent Abstand – und trat als Ministerpräsident zurück. Und die Konsequenzen? Entgegen den Prognosen waren sie nicht der Rede wert. Italien bekam eine neue, traditionell etwas instabile Regierung mit einem fleißigen, unscheinbaren Mann an der Spitze: Paolo Gentiloni. Ein wenig Ruhe kehrte ein, das Land geriet in Europa aus dem Fokus, obwohl der Schuldenberg weiter bedrohlich wuchs. Andere Schauplätze schluckten die Aufmerksamkeit: die Niederlande, wo Geert Wilders dann doch die Wahlen nicht gewann; Frankreich, wo Emmanuel Macron mit einem ausgesprochen europafreundlichen Kurs zum Präsidenten gewählt wurde. Italien blieb für Brüssel, was es vor Renzi schon einmal war: ein Land ohne gestaltende Instanz und mit hoher Zerstörungskraft. Eine Zeitbombe mit sehr, sehr langer Lunte.

Die Kinder meines Freundes sprachen nach zwei Jahren schon sehr gut Deutsch. Heimweh hatten sie immer noch, aber sie sahen langsam auch, was ihr Vater ihnen immer predigte: dass sie in Deutschland mehr Chancen haben. Nach Hause konnten sie ja immer noch zurückkehren, wenn sie als Erwachsene selbst würden entscheiden können, wo sie leben wollen. "Italien ist zwar verloren", sagte mein Freund mit bitterem Spott, "aber es wird schon nicht im Meer versinken."

"Von der Realität in Brüssel meilenweit entfernt"

Während der kurzen Regentschaft Renzis hatten immer mehr Italienerinnen und Italiener den Glauben an ihr Land verloren. 250.000 wanderten allein 2016 aus, nur in der unmittelbaren Nachkriegszeit waren mehr gegangen. Sie stimmten mit ihren Füßen ab – es war ein vernichtendes Urteil. Gleichzeitig kamen allein zwischen 2014 und 2016 mehr als 620.000 Menschen, die allermeisten illegal über das Mittelmeer. Für sie war Italien meist nicht das Ziel, sondern Transitland. Die Migranten wollten weiter nach Norden. Die Europäische Union half Italien nicht, um die Masseneinwanderung zu bewältigen. Die Italiener fühlten sich alleingelassen, die Zustimmungswerte zur EU sanken weiter, sie sind heute so niedrig wie noch nie. So ließen sich auch im aktuellen Wahlkampf mit Europa keine Stimmen gewinnen, eher schon gegen Europa. Das europapolitische Programm aller Parteien lässt sich mühelos in einem altbekannten Satz zusammenfassen: "Wir werden in Brüssel auf den Tisch hauen!" Zu welchem Zweck? Mit welchem Ziel?

Eine Antwort kann man bei Renzi finden, der einst als großer Reformator angetreten war und Italien wieder Respekt verschaffen wollte. Im Frühjahr 2017 trat er vor großem Gefolge im Hotel Renaissance in Brüssel auf. Der Saal war gut gefüllt, in erster Linie mit seinen italienischen Anhängern. Er kämpfte gerade um den Vorsitz seiner Partei, den er wenig später erringen sollte. Selbstbewusst sagte Renzi: "Ich bin nach Brüssel gekommen, um zu zeigen, wie wichtig uns Europa ist!" Er hatte fünf, wie er sagte, radikale Vorschläge für eine Reform im Gepäck, die nicht weniger erreichen sollte, als "Europa retten". Eine zentrale Forderung war, die "Sparpolitik zu beenden, denn durch Sparpolitik stirbt man". Da war er wieder, der Streit ums Geld. Dabei sind Italiens Schulden inzwischen auf 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen, das zugleich heute auf dem Stand von 1999 festhängt. Mehr Geld hat die italienische Wirtschaft also nicht wachsen lassen.

Auch das kümmert im aktuellen Wahlkampf niemanden. Die Mitte-rechts-Parteien – Forza Italia und Lega Nord – versprechen die Verdopplung der Mindestrente bei gleichzeitiger Senkung der Steuer auf bis zu 15 Prozent. M5S will im Falle eines Wahlsiegs das Grundeinkommen einführen. Schon von Renzi hatte man bei seinem Auftritt in Brüssel Sätze gehört wie: "Kultur und Sicherheit gehören zusammen: für jeden Soldaten einen Polizisten, für jede Investition für das Militär eine Bibliothek, ein Kino, ein Theater!" Ein langjähriger italienischer EU-Beamter bemerkte damals: "Der ist von der Realität in Brüssel meilenweit entfernt, wie die gesamte italienische politische Klasse. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit sich selbst." Letzteres ist freilich auch ein gesellschaftliches Phänomen. Die Italiener gehören nach einer aktuellen Studie des amerikanischen Pew-Instituts zu den Völkern, die sich für das Geschehen im Ausland am allerwenigsten interessieren: Nur fünf Prozent verfolgen die internationale Politik – gleichauf mit den Ungarn.

Fernbeziehung ohne Leidenschaft

Aber die Italienerinnen und Italiener wissen eigentlich, dass die Zukunft ihres Landes in Europa liegt. 65 Prozent befürworten nach einer Umfrage weiter "mehr gemeinsame Politik" in Europa. Was das bedeutet, müsste die politische Klasse ausbuchstabieren – und dann in Brüssel einbringen, nicht als Traumgespinst, sondern als politisches Projekt, das mehr in den Blick nimmt als nur drei Prozent Haushaltsdefizit. Doch dazu ist sie nicht in der Lage, sie ist gelähmt vom innenpolitischen Streit. Laut Wahlprognosen sind drei Blöcke ungefähr gleich stark: Mitte-links, Renzi und seine PD; Mitte-rechts, der wiederauferstandene Berlusconi mit der Lega Nord; zwischen allen Extremen oszillierend M5S. Auch wenn es einen klaren Sieger geben sollte, was unwahrscheinlich ist: Am europapolitischen Kurs der künftigen Regierung wird sich nichts ändern – schon weil es einen solchen Kurs seit Langem nicht mehr gibt.

Das Verhältnis zwischen Brüssel und Rom erinnert heute an eine Fernbeziehung. Man besucht sich regelmäßig, auch wenn man sich immer weniger zu sagen hat und alles schon so oft gesagt wurde; meist sind es fordernde, mahnende, klagende Worte. Um wieder Leben in die Beziehung zu bringen, fehlen Kraft, Wille und Fantasie. Jeder erträgt inzwischen den anderen. Keiner der beiden weiß so recht, warum man zusammenbleiben sollte, nur, dass alles andere schlechter wäre.

In den Brüsseler Institutionen herrscht tiefe Ratlosigkeit. Wen immer man auf Italien anspricht, vielsagendes Schweigen ist die Antwort. Alle machen die Augen zu, in der Hoffnung, dass es schon gut gehen wird. Selbst wenn die Zinsen steigen sollten und Italien seine Schuldenlast nicht mehr bedienen könnte, selbst wenn der schon hundertmal tot geglaubte Berlusconi wieder an die Regierung kommen sollte – es wird schon gehen, irgendwie. Italien ist nicht Griechenland, Italien kann nicht gerettet werden: Diese schreckliche Gewissheit ist dennoch in Brüssel mit Händen zu greifen. Italien ist der Elefant im Raum.

In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat die EU gelernt: Die politische Klasse Italiens lässt sich von außen nicht zu grundlegenden Reformen zwingen, weil sie ihr Ende wären. Und von innen fehlt der Druck. Die Wählerschaft ist zersplittert in viele unterschiedliche Gruppen von Klienten, ihre politischen Herren versorgen sie mit dem Nötigen, die Kosten dafür trägt die Gesellschaft als Ganzes.

"Italien ist unregierbar!"

Keine Hoffnung also? Kein gemeinsames Projekt? Nun, es gibt die Realitäten. Sie erzwingen Kooperation zumindest in Teilbereichen. Etwa hält die massive Zuwanderung nach Italien über Libyen an. Die EU hat größtes Interesse daran, dass sie eingedämmt wird. Italien ist nicht nur Hauptbetroffener, es hat auch die besten Kontakte dorthin, in seine ehemalige Kolonie. Im Laufe des vergangenen Jahres überließ die EU der italienischen Regierung deshalb ohne viel Aufheben die Führung in Libyen. Es war eine Form der stillen Kooperation, Innenminister Marco Minniti hat sie genutzt. Er schloss eine Reihe von Abkommen mit libyschen Clans und Milizen. Die Zuwanderung ist dadurch gebremst. Dafür wird er von Menschenrechtsgruppen hart kritisiert. Minniti aber hat nicht nur Italien, sondern auch der EU eine Atempause verschafft – die EU muss sie schnell nutzen, gemeinsam mit Italien.

Wie explosiv die Lage in Italien ist, zeigte sich vor einigen Wochen. In der Stadt Macerata schoss ein italienischer Rechtsextremer bei Tageslicht und auf offener Straße auf Afrikaner. Er verletzte sechs, zwei davon schwer. Aus dem rechten Lager gab es eine Reihe von Stellungnahmen, die sehr nach einer Rechtfertigung klangen. Vor den Wahlen an diesem Sonntag gab es spätestens nach dem Vorfall nur noch das eine Thema: Migration. Und das heißt auch: Europa. Denn neben dem Euro hat Italien nichts so sehr von der EU entfernt wie das Gefühl, angesichts der massiven Zuwanderung alleingelassen zu werden.

Nach dem Anschlag von Macerata schrieb mir mein Freund R. aus dem eisigen Norddeutschland eine Nachricht: "Es ist widerlich. Die Stimmung ist miserabel. Italien ist unregierbar!" Möge er unrecht behalten.