Vor dem Amtsantritt von Donald Trump war John Bolton bereits als möglicher Außenminister im Gespräch, nun kommt er als Nationaler Sicherheitsberater ins Weiße Haus. Der Mann mit dem buschigen Schnurrbart ist weder ein Freund der sanften noch der diplomatischen Töne. Das Abkommen mit dem Iran bezeichnete er als diplomatisches Waterloo, einen Präventivschlag gegen Nordkorea kann er sich gut vorstellen, und auch von China sieht er eine Gefahr ausgehen. Deshalb forderte er vor wenigen Wochen eine Aufrüstung der USA. "Wir wollen Frieden durch Stärke. Wir wollen ein starkes Amerika von Donald Trump", sagte er.

Welche Rolle wird Bolton in dem stark zerstrittenen Führungskreis von Trump einnehmen? Auf Fox News äußerte er kurz nach seiner Berufung zum Nationalen Sicherheitsberater: Er wolle ein Mittler zwischen verschiedenen Interessen und dem Präsidenten sein – aber er werde auch dafür sorgen, dass der Regierungsapparat einmal gefundene Positionen umsetze.

Schon vor seiner Berufung kommentierte Bolton regelmäßig bei Fox News Trumps Außenpolitik. Er verteidigte etwa die Entscheidung des Präsidenten, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Zudem forderte er, die USA müssten auf einen Wechsel des Regimes im Iran hinarbeiten.   

Für seine extremen Positionen war Bolton bekannt, lange bevor Trump ins Weiße Haus einzog. Der 69-Jährige gilt seit Jahrzehnten unter Demokraten wie Republikanern als Hardliner, der vor allem eins durchsetzen will: amerikanische Interessen. Wenn es sein muss, auch mithilfe militärischer Mittel. Das hat er bereits in den Neunzigerjahren bewiesen. Unter dem damaligen US-Präsidenten George Bush senior war er im Außenministerium tätig, in einer Zeit, als die USA den ersten Krieg gegen den Irak führten.

Auch in der Regierung von George W. Bush arbeitete Bolton, er war dem damaligen Außenminister Colin Powell unterstellt. Die Regierung war mit vielen Akteuren besetzt, die bei außenpolitischen Konflikten schnell Militäraktionen forderten, sogenannte Falken. Doch selbst unter diesen Falken galt Bolton als besonders radikal. Als Staatssekretär half er dabei, die Legende für einen Kriegsgrund gegen den Irak zu entwerfen: Der irakische Machthaber Saddam Hussein würde Massenvernichtungswaffen besitzen, behaupteten die USA, griffen das Land an und stürzten Hussein. Später erwies sich der Vorwurf als falsch.

Rüde Umgangsformen

Zuvor hatte sich Bolton als Staatssekretär für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit einen folgenschweren Fauxpas geleistet: Aus der Delegation der Sechsparteiengespräche zum nordkoreanischen Atomprogramm wurde er 2003 entlassen, weil er Kim Jong Il als "tyrannischen Diktator" eines Landes bezeichnet hatte, in dem für viele das Leben "ein höllischer Albtraum" sei.

In seiner Zeit in der Regierung von George W. Bush machte sich Bolton viele Feinde. Diplomaten und Mitarbeiter des Außenministeriums beschwerten sich, von ihm beschimpft und bedroht zu werden. Als George W. Bush ihn 2005 zum UN-Botschafter machen wollte, erfuhr er keine Unterstützung des Senats, 100 US-Diplomatinnen und Diplomaten stellten sich in einem offenen Brief gegen ihn. Ins Amt gelangte er dennoch – mithilfe eines Verfahrenstricks: Der US-Präsident ernannte ihn per Dekret ohne Abstimmung im Kongress.

Dabei ist Bolton eigentlich ein Kritiker der UN, wie er auf einem Forum der Federalist Society klarmachte: "Es gibt eigentlich keine 'Vereinten Nationen'. Es gibt eine internationale Gemeinschaft, die aber nur von der einzigen verbleibenden Supermacht angeführt werden kann, den Vereinigten Staaten."

Hardliner statt moderate Kräfte

Der Nachfolger von dem eher moderat agierenden Herbert Raymond McMaster ist also ein Hardliner. Die Berufung von Bolton als Sicherheitsberater stärkt die radikaleren Kräfte im Umfeld von Trump. Seine Ernennung folgte kurz auf die Entlassung von Außenminister Rex Tillerson. Dessen Nachfolger, der bisherige CIA-Chef Mike Pompeo, gilt ebenfalls als Hardliner.

Die Außenpolitik der USA wird mit der neuen Besetzung möglicherweise einen Wandel erleben. Bolton ist als Nationaler Sicherheitsberater, der die Außen- und Sicherheitspolitik der Regierung koordiniert, einer der engsten Berater des US-Präsidenten – etwa auch, wenn es um Krieg und Frieden geht. Den ehemaligen Ethikberater des Weißen Hauses unter George W. Bush, Richard Painter, erfüllt die Personalie Bolton mit Sorge. "Bolton ist eine Einladung für einen Krieg, vielleicht einen Nuklearkrieg", twitterte er. Er sei der gefährlichste Mann in dieser Position, die es ihm leicht mache, einen Krieg auszulösen.

Sogar manche Republikaner sind alarmiert über die Berufung Boltons. Manche bezeichnen ihn als "Neokonservativen auf Steroiden". Senator Rand Paul warnte, Bolton sei geradezu versessen darauf, alle außenpolitischen Fehler Amerikas der vergangenen 15 Jahre zu wiederholen.

Auch wichtige Protagonisten der Regierung von George W. Bush sollen Trump nach dessen Amtsübernahme davor gewarnt haben, Bolton in sein Regierungsteam aufzunehmen. Die ehemalige Außenministerin Condoleezza Rice soll ebenso zu den Mahnern gehört haben wie der ehemalige Verteidigungsminister Robert Gates.