Finnland hat sich auf Antrag der spanischen Justiz bereit erklärt, den abgesetzten katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont während dessen Besuch in dem skandinavischen Land zu verhaften. Der Fall werde nach der "normalen Auslieferungsprozedur" behandelt, teilte Finnlands nationale Ermittlungsbehörde (NBI) mit. Doch sei der Aufenthaltsort Puigdemonts den Behörden aktuell nicht bekannt.

NBI-Ermittler Hannu Kautta wollte die Frage, ob die finnische Polizei aktiv nach Puigdemont suche, nicht kommentieren. Es sei möglich, dass der Katalane das Land bereits verlassen habe, sagte er. Diese Vermutung scheint sich nun zu bestätigen: Der finnische Abgeordnete Mikko Kärnä sagte, Puigdemont habe Finnland bereits am Freitag wieder verlassen und sei am Samstag zurück in Belgien gewesen. Kärnä hatte den Besuch des Separatistenführers organisiert.

Puigdemont war am Donnerstag nach Finnland gereist. Er traf dort unter anderem finnische Parlamentsabgeordnete. Seine Rückreise war für Samstagnachmittag geplant.

Der finnische Innenminister Kai Mykkänen sagte dem finnischen Sender YLE, dass die finnische Polizei mit dem spanischen Auslieferungsantrag verpflichtet sei zu handeln. Sollte Puigdemont verhaftet werden, müsse das Justizministerium über eine mögliche Auslieferung beraten.

Der ehemalige katalanische Regionalpräsident Puigdemont wird in Spanien wegen "Rebellion" und "Aufwiegelung" gesucht. Im Oktober ist er nach Belgien geflohen, um einer Verhaftung zu entgehen. Trotz der Flucht des prominenten Separatisten konnten die Unabhängigkeitsbefürworter bei der katalanischen Regionalwahl im Dezember ihre Mehrheit verteidigen. Einen neuen Regierungschef hat die Region Katalonien seither dennoch nicht.

Wahl zum katalanischen Regierungschef unterbrochen

Am Samstag spitzte sich die politische Krise in Barcelona weiter zu. Der Separatistenführer Jordi Turull wollte sich für den Posten des Regierungschefs zur Wahl stellen, nachdem er am Donnerstag in einem ersten Wahlgang gescheitert war. Allerdings wurde Turull gemeinsam mit vier Mitstreitern am Folgetag festgenommen, sodass er im Parlament nicht mehr anwesend sein konnte. Der Präsident des Regionalparlaments sagte das Votum daraufhin ab. Das Verfassungsgericht hatte zuvor entschieden, dass ein Kandidat im Parlament anwesend sein muss, um sich ins Amt wählen zu lassen.

Der Oberste Gerichtshof Spaniens eröffnete am Freitag Strafverfahren gegen Puigdemont, Turull und weitere elf Regionalpolitiker. Gegen sieben ins Ausland entwichene Separatisten, darunter Puigdemont, wurden neue Haftbefehle erlassen. Gegen sie wird wegen des verbotenen Unabhängigkeitsreferendums vom Oktober ermittelt. Ihnen drohen bis zu 30 Jahre Haft.  

Das Vorgehen der spanischen Justiz löste erneut Proteste in Barcelona aus. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden nach Angaben von Rettungsdiensten 35 Menschen verletzt.