Die Separatisten im katalanischen Regionalparlament haben erneut gefordert, dass der in Deutschland festgenommene Carles Puigdemont wieder Regierungschef in Barcelona werden soll. In einer symbolischen Abstimmung sprachen Abgeordnete der separatistischen Parteien JxC, ERC und CUP dem 55-Jährigen das Recht zu, wieder an die Spitze der Regionalregierung gewählt zu werden. Die Unabhängigkeitsbefürworter setzen damit ihren Widerstand gegen die spanische Regierung fort. An den politischen Verhältnissen in Katalonien, wo es seit mehr als drei Monaten keine Regierung gibt, ändert diese Abstimmung indes nichts.

Puigdemont war vor fünf Monaten aus Spanien nach Belgien ausgereist, um einer Festnahme zu entgehen. Zuvor hatte das katalanische Parlament die Unabhängigkeit erklärt. Die spanische Regierung setzte Puigdemont ab und übernahm die direkte Kontrolle über die nordostspanische Region. Inzwischen hat der Oberste Gerichtshof in Madrid den 55-Jährigen unter anderem wegen Rebellion angeklagt und ließ per europäischem Haftbefehl suchen.

Auf Grundlage dieses Haftbefehls wurde Puigdemont am vergangenen Sonntag in Deutschland verhaftet und sitzt derzeit in der JVA Neumünster. Die deutschen Behörden müssen jetzt über seine Auslieferung entscheiden, für die Dauer des Auslieferungsverfahren verbleibt der Katalane in Haft. Mit einer Entscheidung wird erst nach Ostern gerechnet.

Insgesamt wirft die spanische Justiz rund 25 führenden Unabhängigkeitsbefürworterinnen und -befürwortern Verfassungsbruch und Rebellion vor – unter anderem auch der früheren katalanischen Bildungsministerin Clara Ponsati, die sich einst zusammen mit Puigdemont aus Spanien abgesetzt hatte und sich jetzt den Behörden in Schottland gestellt hat. Der englischen Nachrichtenagentur PA zufolge soll die 61-Jährige im Laufe des Tages vor Gericht in Edinburgh erscheinen. Ihr Anwalt sagte, die Vorwürfe gegen seine Mandantin kommen einer politischen Verfolgung gleich. In Spanien könnten Ponsatis Rechte "nicht garantiert werden".